WE WANT YOU ON OUR TEAM!

7. Juli 2010

Kunstaction statt Kehrwoche? Flackernde Neonröhren statt dunkler Winterdepression?

Arty People statt lahmer Kastanientiere? Grelle Textexplosionen statt nasser Gummistiefel?

IM HERBST EIGENTLICH SCHON WAS VOR?

Das Sonnendeck zusammen mit der ‘DECK Galerie sucht nämlich wieder: einen schreibwütigen und kunstbegeisterten Praktikanten! Sechs Monate solltest zu Zeit habe, ab Mitte September 2010 darfs losgehen. Schau doch am besten mal hier:

SONNENDECK PRAKTIKUM

Arnika Fürgut

Ausweitung der kunstfreien Zone

18. Juli 2010

Sonnendeck-Autor Hansjörg Fröhlich besucht die Sommeraustellung der Stuttgarter Kunstakademie

Wir sind ja im Umgang mit Absurditäten mittlerweile geübt. Ein Bahnhof soll so großzügig umgebaut werden, bis die Stadt, für deren bessere Mobilität gesorgt werden soll, schließlich erstarrt ist. Ein Gesundheitssystem wird so lange nachgebessert, bis es komplett krank ist, und eine Wahrheitsfindungskommission vergibt Preise für die Aufrechterhaltung einer Illusion. Vielleicht ist der Zustand der Verwirrtheit ja eine angemessene Reaktion auf den Zustand der Welt und der Dinge im 21. Jahrhundert. Eine besondere Verwirrtheit des Geistes muss vorliegen, wenn Behörden im Verbund mit Versicherungen danach trachten, eine Kunstausstellung so sicher zu machen, bis keine Kunstausstellung mehr möglich ist. So geschehen an der Kunstakademie Stuttgart, deren Studenten dieses Wochenende anlässlich der Sommeraustellung ihre Arbeiten zeigen möchten. Doch im Vorfeld dieser, im Jahreslauf wohl einzigen Möglichkeit vollumfänglich die Werke der verschiedenen Kunstklassen zu sehen, wurden Behörden der Stadt Stuttgart in einem selbst für Bürokraten absurden Maß aktiv. Im Namen des Brandschutzes, im Namen der Lebensmittelhygiene und im Namen eines kafkaesk anmutenden Regulierungswahns, mussten sämtliche Möbel aus Klassenzimmern und Gängen verschwinden, wurden Auflagen für Snackbars und Kleinbistros so hochgeschraubt, dass die Räumlichkeiten der AKA wohl zu ersten Mal seit ihrem Bestehen dieses Wochenende komplett kalorienfrei sind. Die Studentenschaft reagierte auf diese Zumutungen mit einer Vollversammlung, erreichte aber keinen Vollboykott der Sommerausstellung. Was nun letztendlich zu besichtigen ist, weist schmerzhafte Lücken auf, wird dem Geist der Akademie nicht gerecht und kokettiert mit einer Aura der Zerrüttung.

Notizen eines Rundgangs am Freitag um 17 bis 20:30 Uhr: Die Gänge sind leer, die Türen zu den Klassenzimmern verschlossen, kein Windhauch regt sich, denn auch die Fenster sind zugesperrt. Keine Stimmen, keine Laute, auch nicht im Hof, wo wenige Studenten reglos im Gras liegen. Schwere Hitze staut sich zwischen den Mauern, Lethargie, einem farblosen Gas gleich, dringt in jeden Spalt, in jede Pore. Erinnerungen an einen ABC-Unfall werden wach, kontaminiertes Gelände – betreten verboten. Und doch suchen wir weiter, suchen nach Lebenszeichen, nach Überlebenszeichen, nach Kunst. Wir fühlen uns wie Stalker im gleichnamigen Tarkowskij-Film, betreten mit orangefarbenen Warnzetteln des Ordnungsamts versehene Gänge und Treppenhäuser, erschrecken beim Widerhall unserer Schritte, Gänsehaut unter den klatschnassen Sommerhemden, gefühlte 45 Grad, Windstille – auch im Kopf. In einem der Obergeschosse dringen Stimmen aus einem offenen Zimmer. Dort steht Stephanie Neutzer und präsentiert drei Kleinode ihrer Kunst. Passenderweise sind auf ihren Arbeiten Menschen in ABC-Schutzkleidungen bei raumpflegerischen Tätigkeiten zu sehen, vielleicht sind es ja Mitarbeiter des Städtischen Ordnungsamt. Einige Klassenzimmer weiter, fallen die Gemälde der Jana Weitbrecht ins Auge: Anatomische Dismorphien in bestechender Schönheit, angetan mit einem Tuch aus roter Seide. Gleich daneben, Claudia Storchs Arbeiten, die eventuell das Eintauchen in das Innenleben eines Körpers mit erkennbarem Rückgrat zeigen. Die Besichtigung etlicher Videos schlägt mangels Stromversorgung fehl, vielleicht haben sie ja die AKWs runtergefahren, bei der Hitze. Repräsentativ für die klaustrophobische Grundstimmung im Inneren der Akademie findet sich im Erdgeschoss die vorzügliche Installation „Stop Motion“ von Iokasti Ioannou. Auf einem Monitor am Ende eines perspektivisch sich verjüngenden Raums erblicken wir eine schreiende, sich windende weibliche Person, die einen Gefängnisgang auf- und abrennt. Die Installation umfasst insgesamt drei solcher Bildschirme, die Isolation, Soziopathie und Irrsinn als Kompensation thematisieren. Aus diesem grandiosen Szenario treten wir in den Dunstkreis von Sang Yong Lees „Fremder Mann“, einer großen Holzfigur, die an einen wütenden aber auch ängstlich-erstaunten Neandertaler erinnert. Seine Halsmuskeln sind extrem angespannt, das Polyester wirkt wie verkrampft. In einem der letzten geöffneten Räume klingt der Glockenspielroboter von Manuel Iwansky. Er interpretiert das Deutschlandlied auf eine seltsam zaghafte, unrunde, erbärmliche Weise, so erbärmlich wie die AKA-Sommerausstellung nach der Übernahme durchs Ordnungsamt.

Kunst handelt von anderweitig unausgelebten Latenzen, die noch nicht ins Politische umschlagen. Dieser Gärzustand verträgt sich nicht mit paranoiden Sicherheitsvorstellungen und Reinraumhygiene. Versuche diese Gärung zu stoppen, ersticken die Kunst und forcieren die Politisierung.

Strelsen

Berliner Fotokunst im IMPERFEKT: Die Kunsthalle Tübingen zeigt Thomas Florschuetz

15. Juli 2010

Nach der Pop Art Mel Ramos’ im Winter und Karin Kneffels Malereien im Frühling, hat die Kunsthalle Tübingen im Sommer und Herbst ihre Räume der Fotografie geöffnet. Statt Düsseldorfer Becher-Schule und Namen wie Gursky, Ruff oder Höfer gibt es hier einen Autodidakten zu sehen, der sich in den 80er Jahren durch die Berliner Kunstszene experimentierte und trotzdem beim Europäischen Preis für Fotografie in Frankfurt am Main ankam.

Helikopter, ein Bündel brauner Bananen, eine Rote-Beete-Knolle, ein kopfloses Reiterstandbild und ein Eselskopf: Florschuetz schert sich bei der Anordnung seiner Bilder nicht um inhaltliche Stringenz. Seine Werke erzählen von Architektur und deren Umgebung; von Schärfe, Unschärfe und Spiegelung. Die Fotografien sind großformatig aufgezogen, die Kunsthalle Tübingen zeigt insgesamt 95 davon. Geöffnet ist die Ausstellung vom 17. Juli bis zum 26. September, Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.

Arnika Fürgut

Ein Interview für SWR 2 Dschungel über die Karlsruher Kunstszene

1. Juli 2010

Was haben Galeristen zu sagen? Weiß ich noch nicht. Viel wichtiger scheint mir die Publikation zu sein, die neben den Galeristen liegt. ;-)

Michael Reuter

Die Kunstschau des Sommers: LEINZELL OPEN xx|x

29. Juni 2010

Ein Schlossherr mit einer Schwäche für Kunst findet eine ehemalige Wasserburg im Ostalbkreis von Schwäbisch-Gmünd. Zusammen mit jungen Kuratoren aus dem Süddeutschen Raum entsteht aus dieser Kombination 2005 zum ersten Mal die LEINZELL OPEN: Eine Kunstschau junger Kunstakademieabsolventen und etablierter Künstler in den steinigen Mauern des Leinzeller Schlosses. Für die Schau in diesem Sommer konnten die Kuratoren 25 Künstler für die LEINZELL OPEN gewinnen, darunter Rainer Ganahl, die Künstlergruppe der Filderbahnfreunde Möhringen und die Berliner Fotografin Susa Templin. Werke von Wolf Pehlke, der vor kurzem erst für den Oberrheinischen Kunstpreis ausgesucht wurde, werden ebenfalls zu sehen sein.

Die junge Generation der frischen Akademieabsolventen wird durch Jan Löchte, der gerade erst seine Debütausstellung im Neubau der Stuttgarter Kunstakademie zeigte, Robert Matthes und Michael Stolz vertreten. Internationale Gäste sind vor allem der poetisch arbeitende New Yorker Künstler Alex Jovanovich und der israelische Video-Künstler Gilad Ratman.

Die Räumlichkeiten des Schlosses werden bis zum 8. August jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr und nach Absprache geöffnet sein.

Arnika Fürgut

AUSGANG CITY – AUFGANG NORD: Jürgen Palmtag mitten im temporären Kunstraum Saarbrückens

25. Juni 2010

Saarbrücken hat sich diesen Sommer zum temporären Kunstraum erklärt, im Zentrum steht der Eurobahnhof. Dessen Schilderwelt gab dem ganzen Spektakel offensichtlich auch den Namen und die Inspiration mancher Kunstaktion. Eingeladen wurden die fünf Künstler Byung Chul Kim (Seoul/Stuttgart), Bernardete Fernandes (Saarbrücken), Simone Decker (Luxembourg/Frankfurt), Köbberling/Kaltwasser (Berlin) und Jürgen Palmtag (Schörzingen).

Der zuletzt genannte hat jetzt seinen Beitrag zum Projekt, das bis in den September gehen wird, bekannt gegeben: WO DORT LINKS wird es heißen, und voller Fahrräder soll es sein. Die will er an den unterschiedlichsten Stellen der Stadt verteilen, immer versehen mit Textaufklebern dort wo eigentlich die Firmenlogos zu sehen sind. Diese Textaufkleber sollen die Räder zu potentiell mobilen Botschaftern werden lassen, die aus dem Stadtraum eine statische Netzstruktur aus Stationen mit Ständern und Texten werden lassen. Die mobilen Textelemente auf den Fahrrädern stehen damit in einem prozesshaften, nicht vorhersagbaren und sich ständig verändernden Bezugssystem zu den statischen Ständer- und Textstationen. In das bestehende System von Verkehrszeichen und Logos  sickern Palmtags Fahrradtexte gemächlich und vereinzelt ein.

Wem die Reise nach Saarbrücken zu weit ist, kann zwar keine Fahrräder aber dafür andere Werke Jürgen Palmtags vom 3. Juli bis zum 8. August auf dem Schloss Leinzell besichtigen, die dort im Rahmen der Kunstschau Leinzell Open zu sehen sein werden.

Arnika Fürgut

Die melken noch von Hand

24. Juni 2010

Die Rieserferner Buam üben Kritik an der digitalen Kultur.

Hansjörg Fröhlich

Löws Traum

24. Juni 2010

SONNENDECK zeigt heute schon EXKLUSIV was Jogi Löw in der Nacht vor dem Englandspiel träumen wird:

Hansjörg Fröhlich