Der Camillo-Michele-Gloria-Preis 2009

Zwei erste Preise und einen zweiten Preis vergab die Jury des von der Gasversorgung Süddeutschland Stuttgart ausgelobten Camillo-Michele-Gloria-Preis – GVS-Förderung Junge Künstler. Die Erstplatzierten Kerstin Dollhopf, Studentin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und Robert Matthes, Student an der Staatlichen Akademie in Stuttgart erhalten je 4500 Euro. Waldemar Zimbelmann, ebenfalls Student an der Akademie in Karlsruhe erhält den mit 3000 Euro dotierten zweiten Preis.
Kerstin Dollhopf, 29, hat vor ihrem Studium in Karlsruhe, Textildesign in Hof studiert. Ihr preisgekröntes Triptychon Sieg der Kasparen von 2009, eine in Mischtechnik ausgeführte Collage mit Buntstift, zeigt Menschenköpfe auf Kakteen, einen leeren Raum und in der Mitte Figuren vor dunklem Hintergrund. Robert Matthes studiert seit 2003 in Stuttgart bei Prof. Hämmerle, Prof. Dreyer, Prof. Boller und Harald Braun. Die Jury entschied sich für seine in Mischtechnik auf Nessel ausgeführte surrealistisch anmutende Arbeit Vorsammler und Nachsager von 2009. Auf dem großformatigen Bild spielen Papierbahnen, wie wir sie aus der Druckindustrie kennen, ein zentrale Rolle, denn sie verbinden die anderen Bildelemente. Eine Figur wird zu einer Mumie eingerollt, eine Schreibmaschine trichtert irgendwelche Flüssigkeiten einem archetypisch scheinenden Kopf ein, aus dessen Mund eine trapezförmige Zunge mit schwarzer Kugel ragt. Im Bildhintergrund sind eine Tiefseetaucherkugel, mehrere Megafone und weitere, an ein mysteriöses Rohrsystem angeschlossene Körperteile zu sehen. Ein fiktionales Werk, das mit seinen Bezügen zur Kommunikationsbranche – Papier, Megafone – und der mechanisch anmutenden Verkettung der Köpfe und Figuren, als Kritik der Manipulation des Bürgers durch die Medienmaschinerie gedeutet werden kann.
Waldemar Zimbelmann, vor 25 Jahren im kasachischen Agadyr geboren, ist der Träger des zweiten Preises. Er studiert seit 2004 in der Klasse von Prof. Gross in Karlsruhe. Seine 100 auf 70 Zentimeter große, mit Buntstift, Bleistift und Acryl auf Papier ausgeführte Arbeit, zeigt eine in Blau und Braun gehaltene Gestalt mit Heiligenschein, die sich zwischen die Beine greift. Um diese Figur gruppieren sich mehrere Häuser, ein bewölkter Himmel und das Hinterteil eines Esels zu einer ländlich anmutenden Komposition, die an eine Krippenszene erinnert. Mysteriös bleiben zwei tropfen- bzw. lanzenförmige helle Flecken im Vordergrund des Ohne Titel benannten Bildes aus dem Jahr 2009.
Zum ersten Mal wurden dieses Jahr drei mit jeweils 1000 Euro dotierte Anerkennungen ausgesprochen: Salome Ghazanfari wurde für ihre Mix-Media-Arbeit Crazy Virgins, 2009 ausgezeichnet. Die in Speyer geborene 27-Jährige studiert in Karlsruhe bei Professor Klingelhöller. Für sein großformatiges Ölbild Cool Sounds, 2009 wurde dem Äthiopier Nigatu Tsehay Molla Anerkennung zuteil. Der 28-Jährige studiert an der Aka Stuttgart bei Professor Gudemann. Ebenfalls aus der Kunstakademie der Landeshauptstadt kommt die Empfängerin der dritten Anerkennung: Astrid Schindler, geboren in Augsburg, erhält sie für ihre Radierung Ohne Titel (KURSIV), 2008. Die 26-Jährige studiert in den Klassen von Prof. Hämmerle, Prof. Hewel und Prof. Boller.
Die Gasversorgung Süddeutschland (GVS) Stuttgart, schrieb zum fünften Mal den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Wettbewerb aus, der sich an Absolventen und Studierende der Kunstakademien in Baden-Württemberger richtet. Zu Ehren des im Juli 2009 verstorbenen GVS-Aufsichtsratsmitglieds wurde er in Camillo-Michele-Gloria-Preis umbenannt. 20 Studierende und Graduierte reichten je zwei Arbeiten ein, die von einer Fachjury beurteilt wurden. Jurymitglieder waren dieses Jahr: Gregor Jansen, Leiter Museum für Neue Kunst am ZKM in Karlsruhe; Christian Marquart, Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift KULTUR; Petra von Olschowski, Geschäftsführerin Kunststiftung Baden-Württemberg und der Stuttgarter Galerist Rainer Wehr.
Vernissage und Preisverleihung: 19.11.2009, 18:30 Uhr
Ort: GVS-Hauptverwaltung, Am Wallgraben 135, Stuttgart
