Pussyclub im Pleistozän

In der Schatzkammer der Großen Landesausstellung Eiszeit – Kunst und Kultur gibt es pralle Weiblichkeit zu bestaunen. Die „Venusfiguren“ zeigen das Wesentliche – Titten und Ärsche in dionysischer Fülle. Unsere Abbildung zeigt die Venus vom Hohle Fels, die älteste bislang bekannte Menschenfigur der Welt und eventuell das erste Kunstwerk überhaupt. Die gerademal sechs Zentimeter hohe Skulptur zeigt, dass der frühe Mensch in Sachen Kreativität noch wenig Selbstbewusstsein entwickelt hatte und es mit der Anbetung des Jenseitigen auch noch nicht so weit her gewesen sein konnte, denn wahre Vergötterung beginnt, wie wir heute wissen, jenseits der 170-Zentimetermarke. Der kleine Wurmfortsatz über den Zehn-Punkte-Brüsten ist übrigens kein Kopf, verweist also nicht auf eine cerebrale Unterbelichtung der Frau und damit auf einen eiszeitlichen Chauvinismus, sondern eine Öse, um die kleine Statuette, zumindest zeitweise, bei sich zu tragen. Männliche Statuetten wurden dagegen kaum gefunden, hier und dort mal ein Phallus aus Stein, aber welcher Eiszeitler hängt sich schon einen Schwanz um den Hals, wenn sowieso ständig einer an ihm herunter baumelt.
Wer Naturkundliches öde findet, (und die jetzige Show macht in Sachen progressivem Ausstellungsdesign keine großen Sprünge) sollte die Stellwände, Völkerkundemuseumsfellhütten, Dekoskelette ( nein, keine Dinosaurier) und das penetrante Flötengedudel schnell hinter sich lassen, um zu den wirklich beeindruckenden Exponaten vorzudringen: Der großen Sammlung eiszeitlicher und damit der ältesten Kunstwerke der Welt. Was jetzt im Kunstgebäude an kleine Figuren aus Mammutelfenbein zu sehen ist, wird so schnell nicht mehr zusammenfinden. Venusfiguren, Pferde, Mammuts, Vögel und Knochenflöten aus der Zeit vor etwa 40.000 – 12.000 Jahren aus den Höhlen der Schwäbischen Alb mit Vergleichsfunden aus vielen anderen Ländern.
Wie gediegen langweilig die Zeit bis zum nächsten spektakulären Funde werden kann, illustrieren einige ausgestellte Grabungs-Dokumentation. Bei Jamie Clark lesen wir: “Today I will remove the rest of 3bWF and then hopefully begin with 3bIIb. Along the northern edge of VQuD, there is a hole approx. 4 cm in diameter.” Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.
Eiszeit – Kunst und Kultur, noch bis zum 10. Januar 2010 im Kunstgebäude Stuttgart am Schlossplatz
Michael Reuter
