Watchlist #1: Micha Dengler

In der Ausstellung Übermorgenkünstler im Kunstverein Heidelberg ist zurzeit eine alte mechanische Schreibmaschine zu sehen, die von Micha Dengler so präpariert wurde, dass sie nur noch “Google” schreiben kann. Der 1985 im Kreis Tuttlingen geborene Künstler studiert an der Kunstakademie Stuttgart bei Rainer Ganahl. Seine Medienskulpturen flanieren zwischen analoger und digitaler Welt. Dengler macht einen Spaziergang durch das virtuelle Berlin der Online-Welt “Second Life“ und schießt dabei Polaroid-Fotos, nutzt den funzeligen Schein einer Laterna Magica, um das Apple-Logo an die Wand zu projizieren oder baut das Gemälde La reproduction interdite von René Magritte zu einem Diskurs über Selbsterkenntnis und Medienillusion um.
Die Effekte der Arbeiten scheinen sich leicht zu entschlüsseln, doch hier ist Vorsicht geboten: Sein Bezugsrahmen reicht weit in die Medien- und Kunstgeschichte hinein, mit Querverweisen zu Philosophie und Informationstechnologie. Freunde der Theorie werden gut bedient, aber Micha Denglers Werke funktionieren auch als ironisch-poetische Kommentare zum Menschsein im Computerzeitalter.
Michael Reuter
