Geld kann schon schön sein, wenn es der Besitzer unter bedürftigen Künstlern verteilt. Die Alison und Peter Klein Stiftung, ausgestattet mit einem Grundstock von 5 Mios, vergibt heute erstmals einen mit 10.000 Euro dotierten Fotokunstpreis. Sechzehn Künstler waren zum Turnier geladen, gewonnen hat die in Berlin lebende Künstlerin Christine Fenzl. Das sonnendeck gratuliert und möchte auch endlich einen Preis ausschreiben. Ein neues Sparschwein steht bereit.
Logisch: Mel Ramos feiert am 24. Juli seinen 75. Geburtstag und die Pop-Art-Bewegung, zu deren Vertretern er zählt, besteht seit mehr als 50 Jahren, aber wer braucht schon fadenscheinige Begründungen, um endlich mal wieder gereifte Ladies auf gereiften Käsestücken museal zu präsentieren. Schaun wir mal, ob der olle Ramos und seine Wonder Women es schaffen, die letztes Jahr ausgebliebenen Menschenmassen wieder in die Kunsthalle zu locken.
die endgeile Post-Punk-Combo The Fall veröffentlichte 1983 ein Album namens Perverted by Language und brachte damit schon in jenem ach so verwehten Spitzenjahrgangs-Weißweinsommer alles auf den “Funkt”: Wir sind durch Sprache zerrüttet, gemartert von bis zum Exzess wiederholten Floskeln, verblödet von Evokativen und letztlich in einem Meer von hohlen Phrasen ersoffen. Der smarten, zielführenden Kommunikation abhold, verflüchtigt sich der eigentlich angenehme Effekt einer Rede, Informationen zu übermitteln und Umstände abzubilden, in einen Orkus von Nonsens. Diese hinter hochtrabenden Formulierungen versteckten Gemeinplätze, Slogans oder Nichtigkeiten treten vermehrt dann auf, wenn es um die Beschreibung und Evaluierung von in ihrem Sinn und Wert nicht näher bestimmbaren Gütern, wie Zeichnungen von Cy Twombly und It-Bags geht. Mehr…
Robert Matthes siedelt seine Arbeiten im Feld der figürlichen Malerei mit surrealistischem Einschlag an. Etliche Gemälde sind von Köpfen, Rümpfen und Maschinen bevölkert, die meist durch Seile, Transmissionsriemen oder Stäbe untereinander in Beziehung stehen. In diesen dynamischen, oft düsteren Welten, steht der Mensch inmitten der Projektion eines additiven, dichten Beziehungsgewebes, in dem rationale und irrationale Faktoren verschmelzen. Eine Atmosphäre von privater Mythologie entsteht. Diese wird gespeist von einem inneren Bildarchiv persönlicher Erinnerungen, Empfindungen und äußeren Prägungen, und ruft in ihrer unmittelbaren Zusammensetzung Authentizität hervor. Es entstehen künstlich inszenierte Orte oder Räume mit einer körperlichen Schichttiefe, also einer räumlichen Dimension, aber auch einer Tiefe von inneren Ansichten und Bedeutungsebenen. In diesen Räumen des Entwurfs wird der Übergang, die Passage selbst zum Thema. Das „inoffizielle Ich“ eines jeden Betrachters wird in eine Zeichenwelt eingewoben,
kann auf Entdeckungsreise gehen und dabei erfahren, dass Matthes‘ Arbeiten Kommentare zur Manipulation des Individuums sind. Robert Matthes ist 1982 in Rudolstadt geboren und
lebt in Stuttgart. Diplom Freie Kunst 2009 nach dem Studium der Malerei an der AKA Stuttgart bei Prof. Paul-Uwe Dreyer und Prof. Reto Boller.
Anfang Februar fiebert ganz Stuttgart dem neuen sonnendeck entgegen. “Phrasen in der Kunst” wird das Pool-Thema der Ausgabe sein und da passt ein bevorstehender Vortrag an der Aka Stuttgart doch wie die Faust aufs Auge. Rolf Bier, Professor für Allgemeine künstlerische Ausbildung, hat den Berliner Philosophen und Autor Marcus Steinweg an die Akademie geladen.
Zum Thema ‘Was ist ein Kunstwerk’ sagt dieser: ‘In der zeitgenössischen Kunst gibt es eine Tendenz, Kunst auf die Befragung von Kunst zu reduzieren. Was ist das Kunstwerk in dieser neueren Sequenz? Es wird zum Schauplatz der Reflexion auf seine Bedingungen.
Ich insistiere gegen diese Auffassung, die das Kunstwerk als negatives Dokument seiner selbst entschärft … Das Kunstwerk ist keine Tatsache unter Tatsachen, weil es eine gewisse Suspension seiner historischen, politischen, institutionellen, kunsthistorischen und ästhetischen Bedingungen artikuliert.’
Geht doch runter wie Öl.
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Montag, 18. Januar um 19 Uhr
Cereals 7: Marcus Steinweg, Berlin, ‘Was ist ein Kunstwerk’
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Bühnenraum 310 Altbau Am Weißenhof 1
70191 Stuttgart
Der Eintritt ist frei.
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Ganz an den Rand des Bildes „Searching for No Heaven“ setzte der 1971 in Qingdao/China geborene Xianwei Zhu einen kleinen Affen, der sich melancholisch das Remmidemmi in der Bildmitte betrachtet. Liest der Betrachter den Affen als klassische Reflexionsfigur für den die Natur „nachäffenden“ Künstler, so scheint sich auch Xianwei nicht ganz wohl zu fühlen in der lärmigen Gegenwart. Schon sein früheres malerisches Alter Ego, ein kugelköpfiger Knirps, stand immer etwas verloren im leeren Bildraum. Die Welt, das waren stets die Anderen, die jenseits des Keilrahmens bleiben sollten. Immerhin greift der Künstler nun in die Vollen, um sich den menschlichen Affenfelsen in seiner schönsten Verwirrtheit auszumalen, inklusive dem zähnefletschenden Alphatier als Sinnbild gesellschaftlicher Dominanz.
Trotzdem findet sich in den Bildern Xianwei Zhus stets ein ruhiger, abgelegener Felsen: Man muss ja nicht gleich alles mitmachen.
Debütausstellung Xianwei Zhu in der Alten Aula der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Noch bis 24.01.2010.
Wo Damien Hirst mit seinem Diamantenschädel “For the Love of God” schon das eigene Ableben beklagt, geht es bei Friedemann Flöther noch ums Arbeiten. „Carve!“ klopfte er zur Freude der Hausmeister in eine Wand der Ausstellungshalle und legte sein Werkzeug gleich dazu, gebettet auf schwarzem Samt und mit Strasssteinen überzogen, zum Arbeiten nun gänzlich ungeeignet. Flöther stellt in der Kunstakademie Stuttgart noch bis zum 24. Januar unsere Vorstellungswelt infrage. Harte Superhelden dürfen sich auch mal küssen, Raketen tauschen ihre ölverschmierten Metallhüllen gegen ornamentale Tapetenmuster und ein friedfertiges Einhorn bohrt Selbiges wütend in eine Wand.
Die Verdrehung von Idealwelt und Realität kommt vielleicht etwas zu plakativ daher, ist dafür aber handwerklich perfekt und mit einem augenzwinkernden Blick auf das eigene Werk umgesetzt.