
Kennen Sie den Satz: „Dem Künstler ist es wie kaum einem anderen gelungen, der Zerrissenheit des Menschen in unserer modernen Welt Ausdruck zu verleihen.“ Oder den: „Verwurzelt in der Tradition der schönen Künste, aber radikal konzeptuell in ihrer Wirkung werden seine Werke durch die Wahrnehmung des Betrachters zum Leben erweckt.“ Oder den: „Die zugleich unaufdringlich verhaltene wie angreifend aufrührende Anmutung seiner Kunst lässt eine intensive Auseinandersetzung mit den großen Werken der Spätrenaissance wie auch der klassischen Salonmalerei und – in scheinbarem Gegensatz dazu – des Expressionismus bis zum frühen Picasso erkennen, wobei diese Anklänge weit über die Qualität bloßer Zitate hinausgehen und eine ganz eigene Handschrift zum Vorschein bringen.“
Wenn Sie den ersten und den dritten Satz kennen, waren Sie in den letzten drei bis fünf Jahren auf einigen Vernissagen, die ich auch besucht habe; wenn Sie den zweiten kennen, haben Sie die Begründung für die Verleihung des letztjährigen Turner-Preises an Richard Wright gelesen. Mehr…
Michael Reuter

“Uwe Schäfer sieht einem Ei an, ob daraus eine Taube oder ein Geier werden wird und er kann mit seinem Blick Warzen heilen”, schreibt Herr Fröhlich über den Stuttgarter Künstler, dessen Ausstellung letzten Freitag bei Tauwetter und grauem Schnee in der Galerie ‘Deck eröffnet wurde. Und dann plötzlich, fast wie bestellt, Frühlings Erwachen, passend zu Schäfers Streifzügen durch Stadt und Natur. Große Krater neben römischen Ruinen und zarten Bewegungen: Das Land schläft, die Stadt ist tot und die Sonne, die scheint wieder.
Arnika Fürgut

Je nach Anlass und Szene wird ganz unterschiedlich über Kunst geredet. Auf Vernissagen, Messen und bei seiner Jurytätigkeit in der Berliner Kunstszene konnte unser Gastautor Raymond Unger drei verschiedene Varianten ausmachen, die immer strikt getrennt bleiben. Mehr…
Raymond Unger
Unverhofft kommt oft: Mit ihrer Mutterschaft setzt sich Judith Lenz noch bis zum 7. März im gez. | raum für urheber im Stuttgarter Rotlichtviertel auseinander. “Ich behaupte mal, dass ich mich immer mit dem beschäftige, was so direkt um mich und mit mir passiert, in dem Fall hab ich einfach nur ein Kind bekommen. Das Ganze ist uns so passiert und bedarf dadurch vielleicht nochmals mehr der Auseinandersetzung….”
Ihre Radierungen pendeln dabei humorvoll, sarkastisch und poetisch zwischen Begeisterung und Erschrecken über die neue Situation und geben einen ungewohnt intimen Einblick in ihre Gedankenwelt. Bleibt zu hoffen, dass die Kunst in Zukunft nicht zu kurz kommt.
Michael Reuter

Vorbei sind die Zeiten als der Kunstkritiker dem Künstler nahebrachte was sein Publikum über ihn denkt. Heute meint er dem ahnungslosen Bildbetrachter vermitteln zu müssen was der Künstler eigentlich sagen wollte. Prof. Dr. Christian Demand verweist in seinem Buch „Die Beschämung der Philister – Wie die Kunst sich der Kritik entledigte“ dieses Treiben in die Schranken. Mit einem geschichtlichen Abriss der Kunstkritik seit den 1820er Jahren bis hin zu den inhaltsfreien Lobpreisungen eines Robert Ryman entlarvt er einen sich zuspitzenden, pseudoreligiösen Fanatismus. Der Künstler als Prophet, der Kritiker als sein Prediger, der Kunstbetrachter als zu bekehrender Heide, als verlorenes Schäfchen das jederzeit den Niederungen des Kitsches anheimzufallen gefährdet ist. Buhmänner der historischen Kunsttheorie wie Hegel und Sedlmayr erscheinen unter den veränderten Vorzeichen in neuem Lichte. Demands fabulierlustiger Wörterreigen ist ein bitterböser Abgesang auf die Kunstkritik der Neuzeit. Mehr…
André Debus
Eher an ein Sperrmülllager als an eine Kunstausstellung erinnert die unkuratierte Show der Künstlermitglieder des Württembergischen Kunstvereins – unkuratiert im schlimmsten Sinne des Wortes. Den theorieverliebten Direktoren Dressler und Christ dürften die Tränen in den Augen gestanden haben angesichts der aufeinandergetürmten Grausamkeiten.
Kunst und Gesellschaft sollen hier reflektiert und diskutiert werden. Es gibt eine Diskursarena und zahlreiche Vorträge, Gespräche und Performances. Stuttgart 21 wird ebenso auf- und angegriffen wie „Konsum- und Kapitalismuskritik, alternative Lebensmodelle, Formen der Partizipation oder Kunst als demokratischer Handlungsraum“. Mal so richtig Kampfkuscheln und Baden im abgestandenen Wasser gemeinsamer Überzeugungen.
Nachtrag: Georg Leisten hat es gefallen: ” … doch wer ein bisschen Entdeckerlaune mitbringt, wird diese Schau lieben wie kaum eine ihrer Vorgängerinnen. Sie ist politisches Bekenntnis und ironische Selbstreflexion, gibt sich trotzig und rotzig, aber auch kampflustig engagiert und thematisch beziehungsreich.” (Stuttgarter Zeitung vom 23.02.)





Michael Reuter

Die Ausstellung Post-Oil City – Die Stadt nach dem Öl in der ifa-Galerie Stuttgart stellt urbanistische Projekte vor, die im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Mobilität in Zeiten schwindender Ölreserven vorbildhaft und zukunftsweisend sind. Kooperationspartner ist die Architekturzeitschrift ARCH+, die neben der Ausstellung ein umfangreiches Katalogheft präsentiert. sonnendeck-Redakteur Michael Reuter sprach mit Christian Berkes, der zum Kuratorenteam der Ausstellung gehört. Mehr…
Michael Reuter

Der Stuttgarter Bildhauer und Maler Thomas Putze proudly presents in lockerer Folge einige ausgewählte Cartoons, von eigener Hand gezeichnet und tief in die Abgründe künstlerischer Existenz führend. Viel Spaß damit.
Michael Reuter