Apropos Lokalpatriotismus

Mit revolutionärem Schwung startete im Herbst 2009 das Internet-Forum e-stuttgart, mit dem Ziel, die Diskussion unter Stuttgarts Kulturschaffenden bezüglich der bevorstehenden Kürzungen im Kulturbereich zu organisieren und zu forcieren. Tatsächlich rotierte die Meinungsmaschine zwei Monate ganz ordentlich, sogar die Direktoren des Württembergischen Kunstvereins schrieben fleißig mit. Der Aktionismus gipfelte am 19. November in der legendären Art Parade mit abschließender Übergabe des „Stuttgarter Appells“ an OB Schuster.
Am 18. Dezember verabschiedete der Gemeinderat den Doppelhaushalt 2010/2011 und die Kürzungen im Kulturbereich, vor allem für die kulturellen „Leuchttürme“ WKV und Künstlerhaus, wurden abgemildert oder aufgeschoben. Der letzte Eintrag auf e-stuttgart datiert auf den 17. Dezember, danach geschah auf der hoffnungsfrohen Webseite nichts mehr.
Das kulturpolitische Forum wurde von einem Tag auf den anderen ad acta gelegt. Keine Analyse der Kürzungen, kein virtuelles Schulterklopfen, kein Ausdruck unendlichen Glücks. Die Pfründe sind gesichert, zurück zum Alltag. Keine Rede mehr vom finalen Untergang der Stuttgarter Kulturlandschaft, statt dessen lieber gar keine Rede, kein Resümee, kein Rückblick, keine Statements, kein gar nichts. Als wäre die kulturelle Welt an diesem Tag im Dezember tatsächlich erloschen, enden alle Auseinandersetzungen auf wundersame Weise am 18. Dezember.
Mittlerweile finden sich wieder ein paar gelangweilte Wortbeiträge auf e-stuttgart, die den finalen Tod der Seite feststellen und trotz scheinbarem Schweigegelübde der Kulturinstitutionen findet am Dienstag, 23. Februar 2010, 19:00 Uhr ein Gespräch über die Stuttgarter Kulturpolitik mit Andreas Mayer-Brennenstuhl, Hans D. Christ und anderen statt. Schaun wir mal.
