Nichts gegen kleine Nebeneinkünfte, aber muss es wirklich so plump sein? Die Brüder Campana stellen noch bis Ende Februar ihre Designmöbel und Wohnaccessoires im Vitra Design Museum aus. Über Unikate, Kleinstserien und den direkten Gang von der Produktion in die Versteigerung haben sie es geschafft, ihren Objekten Kunstcharakter zu geben. Nichts gegen einzuwenden.
Aber jetzt mit Lacoste eine derart plumpe Werbeschiene zu fahren, ist doch arg peinlich. Ihr witziger Armsessel Banquete aus bunten Stofftieren wurde kurzerhand mit Stoffkrokodilen zum Werbeträger umfunktioniert und wird im Text als “berühmter Design-Stuhl der Campanas” vermarktet. Also wirklich, Leute!
Im Tanz/Musiktheaterlabor Grenzland H erforschen die Tänzer/Choreographen Fabian Chyle, Renate Graziadei, Zufit Simon und Eline Tan zusammen mit den Komponisten Mark Lorenz Kysela, Alexander Grebtschenko, Michael Maierhof und Steffen Moddrow vom 15. bis 20. Februar im Kunstbezirk im Gustav-Siegle-Haus die Verbindung zwischen Körper, Raum und Musik. Tagsüber forschen sie und benutzen dazu als Assoziationsmaterial Handlungsanweisungen aus den Werken von Peter Handke. Abends präsentieren sie Ihre Forschungsergebnisse in Tanz/Musiktheaterveranstaltungen der Öffentlichkeit. Der Malereiprofessor Holger Bunk, die chilenische Philosophin Mónica Alarcón und die Tanzjournalistin Leonore Welzin vertiefen mit theoretischen Impulsen das Thema.
Mit revolutionärem Schwung startete im Herbst 2009 das Internet-Forum e-stuttgart, mit dem Ziel, die Diskussion unter Stuttgarts Kulturschaffenden bezüglich der bevorstehenden Kürzungen im Kulturbereich zu organisieren und zu forcieren. Tatsächlich rotierte die Meinungsmaschine zwei Monate ganz ordentlich, sogar die Direktoren des Württembergischen Kunstvereins schrieben fleißig mit. Der Aktionismus gipfelte am 19. November in der legendären Art Parade mit abschließender Übergabe des „Stuttgarter Appells“ an OB Schuster.
Am 18. Dezember verabschiedete der Gemeinderat den Doppelhaushalt 2010/2011 und die Kürzungen im Kulturbereich, vor allem für die kulturellen „Leuchttürme“ WKV und Künstlerhaus, wurden abgemildert oder aufgeschoben. Der letzte Eintrag auf e-stuttgart datiert auf den 17. Dezember, danach geschah auf der hoffnungsfrohen Webseite nichts mehr.
Das kulturpolitische Forum wurde von einem Tag auf den anderen ad acta gelegt. Keine Analyse der Kürzungen, kein virtuelles Schulterklopfen, kein Ausdruck unendlichen Glücks. Die Pfründe sind gesichert, zurück zum Alltag. Keine Rede mehr vom finalen Untergang der Stuttgarter Kulturlandschaft, statt dessen lieber gar keine Rede, kein Resümee, kein Rückblick, keine Statements, kein gar nichts. Als wäre die kulturelle Welt an diesem Tag im Dezember tatsächlich erloschen, enden alle Auseinandersetzungen auf wundersame Weise am 18. Dezember.
Distrikt_Ost und das Performancehotel starten mit einem Performance-Wochenende ins neue Jahr. Am 5. und 6. Februar wird einiges geboten, unter anderem ein koreanischer Ritualtanz, der ursprünglich zur Totenbeschwichtigung aufgeführt wurde, um Unglück zu vermeiden. Außerdem bietet Georg Winter am Samstag von 17-20 Uhr wegen der großen Nachfrage wieder eine Performanceberatung an.
Viel Presse kriegt es nicht, das schöne, aber fast vergessene Museum Charlotte Zander im Schloss Bönnigheim. Das sonnendeck berichtete im November 2008 über den Dornröschenschlaf der Sammlung von Werken der Art Brut und der Naiven Kunst. Umso erfreulicher, dass Mitte Dezember der Film Séraphine in den deutschen Kinos anlief. Die 1864 geborene Séraphine de Senlis zählt zu den wichtigsten Vertretern naiver Kunst in Frankreich, verdiente ihre Brötchen aber als Putzfrau und wurde 1932 in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, wo sie zehn Jahre später starb.
Das Museum besitzt zwölf Bilder der Malerin und bietet am 07. Februar einen Kino-Kunst-Sonntag an. Um 11 Uhr startet der Film im Luna Ludwigsburg, um 15 Uhr die Führung im Museum. Eine gute Gelegenheit, die Sammlung Zander zu entdecken.