Art is hard – aber herzlich

Damien Hirst zieht den Kunstmarkt über den Tisch, Andreas Gursky verkauft seine Fotos für Millionen – da fragt sich der leidenschaftliche Kunstfreund schon, an welcher Stelle der Vermarktungskette die Liebe zur Kunst vergessen wurde. Die Poly Produzentengalerie Karlsruhe macht es sich seit 2006 zur Aufgabe, diese wieder in Erinnerung zu rufen: Bei der UND#5 wird unkonventionell und stolz präsentiert, getanzt, performt und natürlich auch gerne verkauft.

Während bei der Art Karlsruhe auf dem Messegelände feinsäuberlich abgetrennte Stände an Galerien vergeben werden, verteilen die Organisatoren der UND#5 die verfügbaren Quadratmeter der lieb gewonnenen Nancyhalle sehr freigiebig. Statt Alu-Cocktail-Stehtisch-Afterparty im Abendkleid darf hier auch mal ein Bier zur klangreichen Performance unter einer der übergroßen Bananenstauden getrunken werden. Von Konkurrenzdenken sei aber keine Rede, sagt Veranstalterin Cosima Klischat und betont die gegenseitige Ergänzung beider Ausstellungen.

Künstler aus Stockholm, Frankreich und Mexico reisen dieses Jahr an, dazu kommen einheimische Gewächse wie die Karlsruher Band Johnny Las Vegas, die sich mit der Medienkünstlerin Simone van gen Hassend zu einem Projekt à la Warhols „Factory“ zusammenfand. Die Zugangsvoraussetzungen sind trotz interner Diskussion über Bewerbung und Eignung gleich geblieben – zu einer Initiative sollte man als Künstler schon gehören, davon abgesehen ist fast alles erlaubt. Beste Voraussetzungen für charmant organisiertes Chaos, bei dem namhafte Künstler sich mit Neulingen die Quadratmeter teilen.

Sponsoren stemmen den mit Willen und Herzblut nicht ersetzbaren finanziellen Teil, die Organisation der eigenen Präsentation wird von den Künstlern und Initiativen selbst bewältigt. Und die legen sich mächtig ins Zeug. Begehbare Tunnel, große Leuchtkästen und Wände voller Malerei und Fotografie wird es dieses Jahr geben. Als Shuttleservice zur Art Karlsruhe steht ein Kunsttaxi zur Verfügung, innen ausgeschmückt und von der Künstlerin selbst gefahren. Der Beifahrersitz wurde durch ein kleines Kunstregal ersetzt, dessen Inhalt – bestehend aus kleinen Kunstwerken – von den Fahrgästen bewundert und gekauft werden kann. Auch der Fahrschein ist ein limitiertes Kunstwerk.

Dazu ein Rahmenprogramm, das vor Klangkunst und Performances nur so scheppert. Gleich am Dienstag tritt Isis Chi Gambatté mit einer Performance zu elektronischer Musik und Visuals auf. Überhaupt dürfte es ziemlich geräuschvoll werden: DJs, Lesungen des Pop Verlags, Tanzworkshops und jede Menge Konzerte bedienen die Ohren, wenn die Augen schon genug haben.

Bleibt die Frage, wie man die UND#5 im Betriebssystem Kunst einordnen soll. So ganz sicher scheinen sich auch die Initiatoren nicht zu sein, ob nun Off-Space, Kunstmesse, Plattform zum Kontaktaustausch oder Initiativentreff die richtige Bezeichnung ist – Cosima Klischat zieht einen Vergleich zur LISTE Basel, fügt aber lächelnd hinzu, am liebsten wäre ihr ein hallenfüllendes Gesamtkunstwerk.

Das Geld macht eben doch den Unterschied: Die Art Karlsruhe als mittlerweile etablierte Kunstmesse hat davon reichlich. Bei der UND#5 dagegen arbeitet man seit jeher ehrenamtlich. Es ist also gerade das Kontrastprogramm, das die UND#5 und die Art Karlsruhe zu großem schicken Bruder und kleiner bunten Schwester werden lässt, die nach dem Museumsbesuch und vor der Discoschlange gerne mal einen Cocktail zusammen trinken. Oder eben doch ein Bier.

Arnika Fürgut

Arnika Fürgut

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