Erhabene Melancholie
Elger Esser im Kunstmuseum
Noch bis 11. April 2010

Nicht klein, aber fein präsentiert sich die Ausstellung Eigenzeit von Elger Esser in Stuttgart. Eng geführt am Thema der Suche nach der verlorenen Zeit zeigt das Kunstmuseum rund 50 großformatige Fotoarbeiten des Becher-Schülers, die sich deutlich in einzelne Werkblöcke zergliedern, dabei aber stets um das gleiche Thema kreisen.
„Essers Bilder erzählen von Sehnsucht, dem Wunsch, etwas festzuhalten, was doch verloren ist, längst und unumkehrbar“, schreibt Alexander Phüringer im Katalog.
Gemeinsam mit der Kuratorin Simone Schimpf setzte der 1967 in Stuttgart geborene Künstler drei Schwerpunkte für seine erste große Überblicksschau. Zum einen gibt es großformatige, in ein gelblich-diffuses Licht getauchte Landschaftsbilder, die zum Markenzeichen des Fotografen geworden sind, zum anderen Schwarzweiss-Heliogravüren von kleinen französischen Orten, die Elger Esser zu einem Bild des fiktiven Ortes Combray aus dem Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit zusammensetzt. Die alte, beinahe vergessene Drucktechnik der Heliogravüre bewirkt dabei eine besonders feine Grauabstufung, die den Arbeiten etwas Zeichnerisches gibt.
Dominiert wird die Ausstellung von den extremen Vergrößerungen einzelner Motive seiner umfangreichen Sammlung historischer Postkarten von nordfranzösischen Küstenorten. Die aufgeblasenen Abzüge verfremden die Motive hin zu Impressionismus und Abstraktion und wurden teilweise von Hand nachkoloriert. Ein interessantes Experiment, das den Betrachter aber ziemlich kalt lässt, zumal viele der Großformate in einer Art Petersburger Hängung konzentriert sind und dadurch an Kraft einbüßen. Ergänzend werden einige historische Gemälde, Fotos und Postkarten des 19. Jahrhunderts und zusätzliche Materialien zur Person Marcel Prousts gezeigt.
„Ich möchte kein Maler sein! Ich möchte nur kein Fotograf mehr sein!“, sagte Elger Esser beim Presserundgang und betonte damit seinen Anspruch, das dokumentarische Abbilden der Welt hinter sich zu lassen, um zum Wesenskern, zur Eigenzeit der fotografierten Orte vorzudringen.
