Print-Revival?
Motto Distribution im Künstlerhaus Stuttgart
Bis 02. Mai 2010

Viel Print in Sachen Kunst und Design gibt es bis Anfang Mai im Künstlerhaus zu bestaunen. In Zusammenarbeit mit Motto Distribution liegen Hunderte von Künstlerbüchern und Zeitschriften aus, die erblättert und gekauft werden wollen, von Do-it-yourself-Zines bis zu Veröffentlichungen renommierter Institutionen.
Das sonnendeck sprach auf der Vernissage mit dem Schweizer Alexis Zavialoff, der eifrig in der Welt rumreist, um seinen 2007 gegründeten Vertrieb durch temporäre Buchläden, Präsentationen und andere Events zu vermarkten. Wieder eine Idee, auf die wir leider nicht selbst gekommen sind.
Wie kamst du auf den Gedanken, einen Vertrieb für Kunstpublikationen zu gründen?
Ich bin eigentlich Fotograf. Um meine Arbeiten zu veröffentlichen, habe ich vor etwa sechzehn Jahren mein erstes eigenes Magazin gestaltet. Es ging um Skate- und Snowboarding, Kunst, Musik und Design, alles gemischt, ein bisschen wie das Lodown-Magazin.
Ich war viel unterwegs in New York, Barcelona, Prag und Berlin. Zurück in Lausanne habe ich festgestellt, dass es keinen Vertrieb für experimentelle Magazine in kleinen Auflagen gab und so habe ich vor einigen Jahren angefangen, selbst diese Zeitschriften anzubieten. Dann ist alles sehr schnell gegangen. Nach zwei Jahren hatte ich fünfzig Titel, mittlerweile sind es über tausend. Seit Ende 2008 gibt es in Berlin-Kreuzberg auch einen permanenten Laden.

In letzter Zeit gibt es immer neue Läden, die kleine, unabhängige Zeitschriften im Angebot haben. Print ist wieder „in“?
Es ist heute sehr einfach, selbst ein Heft zu gestalten. Ein Laptop, ein Inkjet und los geht’s. Früher gab es überwiegend die fotokopierten Punk-Magazine. Jetzt ist es möglich, für wenig Geld eine sehr gute Qualität zu gestalten und über das Internet lassen sich die Produkte auch bekannt machen und verkaufen.
Welche Auflagen haben die Publikationen?
Regelmäßig erscheinende Zeitschriften haben meistens eine Auflage zwischen 500 und 2000 Exemplaren.
Nach welchen Kriterien wählst du aus?
Eine Mischung aus Inhalt, Design und Objekt. Mittlerweile kriege ich soviel Material, ich kann unmöglich alles in den Vertrieb aufnehmen.
Aus welchen Ländern kommen die besten Magazine?
Aus Holland und der Schweiz kommen viele gute Sachen, auch weil die Mittelbeschaffung dort gut funktioniert. Deutschland hat eine eher klassische, akademische Buchkultur, in Holland wird mehr experimentiert.
Hast du ein Lieblingsblatt?
Ich mag Roma Publications aus Amsterdam. Die haben mittlerweile 140 unterschiedliche Formate, alles sehr experimentell.
