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Archiv für April, 2010

Die vier Elemente: Feuer
Bilder der Klasse Holger Bunk, Kunstakademie Stuttgart

30. April 2010

Hier nun die Arbeiten der Klasse Holger Bunk zum Thema Feuer aus dem April-Heft. Für die Riesendiashow einfach draufklicken. Mit Dank an Professor und Studenten.

Michael Reuter

Kleiner Galerienrundgang im Westen

28. April 2010

Geheimnisvoll leuchtende Quallen lässt Katja Davar in postapokalyptisch anmutenden Unterwasser-Industrieanlagen durch die Galerie 14-1 gleiten.

Mit Humor tut sich die zeitgenössische Kunst schwer und so ist auch dem Werk von Hans Pfrommer keine übermäßig große Aufmerksamkeit beschieden. Immerhin hat er einige Galeristen, die sich redlich um sein Oeuvre kümmern und die Galerie der Stadt Backnang würdigte den 1969 in Stuttgart geborenen und hier immer noch wirkenden Pfrommer im letzten Jahr mit eine Einzelausstellung. Im tiefsten Sinnen des Wortes in der künstlerischen Provinz verwurzelt (sein Atelier befindet sich im Tiefparterre) verwundert es nicht, das Pfrommer in seinen mit kontinuierlicher Beharrlichkeit entstehenden Kleinformaten einen lakonisch-bissigen Humor entwickelte, der ihn so manch schwäbische Familienfeier ohne bleibende psychische Schäden überwinden ließ.

Die Galerie Merkle zeigt bis 15. Mai eine Ausstellung seiner Werke zusammen mit Arbeiten des Berliner Zeichners Matthias Beckmann (*1965), der einen Blick in Pfrommers Atelier werfen durfte und so gleich zu einer ganzen Reihe von Zeichnungen inspiriert wurde.

Die Galerie Naumann zeigt Enkaustik-Arbeiten von Jörg Mandernach. Was für’n Kaustück? Du gucken hier.

Viele ältere Arbeiten des 1936 in Hamburg geborenen Wolfgang Gäfgens sind zurzeit in der sehenswerten “Mezzotinto” Schau in Albstadt zu bewundern. Die Galerie Anja Rumig zeigt neuere Zeichnungen und Drucke.

Zum Maler Erwin Pfrang sind zwar viele Links im Netz zu finden, aber merkwürdigerweise kaum brauchbare Informationen. Kurze Absätze wie: “Erwin Pfrang, Jahrgang 1951, studierte 1974 bis 78 an der Münchner Kunstakademie. 1992 erregte er Aufsehen mit seinen Illustrationen zu James Joyce ‘Ulyses’. Erwin Pfrang lebt und arbeitet heute in Sizilien” sind das höchste der Gefühle. Seine Arbeiten wirken ein bisschen wie Art Brut. Ich werde mich schlau machen. Zu sehen sind seine Arbeiten in der Galerie Friese.

Michael Reuter

Watchlist #3: Mona Ardeleanu

26. April 2010

Es läuft gut für Mona Ardeleanu. Der Kunstverein Weil am Rhein zeigte über drei Etagen die Arbeiten der letzten Monate in einer Einzelausstellung, bei Rainer Wehrs Jubiläumsausstellung ist sie vertreten und Ende Mai stellt sie bei John Doe Projects in Karlsruhe aus. Dabei beendet die 26-jährige erst im Juli ihr Studium an der Kunstakademie Stuttgart. Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht, denn als glückliche Gewinnerin des Stipendiums Junge Kunst zieht Ardeleanu bald für ein Jahr nach Lemgo in Ostwestfalen. Gegen hundert Wettbewerber hat sie sich mit ihren „altmeisterlich“ gemalten Bildern durchgesetzt.

Ein mehrmonatiger Aufenthalt in der Klasse Daniel Richter an der Kunstakademie Wien brachte die Wende im Werk der jungen Künstlerin. Wo vorher ein buntes Gewusel aus bühnenähnlichen Situationen mit Naturelementen, Menschen, Tieren, Tapetenstrukturen, Kissen und Decken ihre Gemälde beherrschte, zeigte sich nun eine radikale Neuinterpretation des Raums. Die anarchistische Grenzenlosigkeit verdichtete sich zu merkwürdigen Bündeln aus Stroh, Haarteilen und Textilien.

Wie eine Elster trägt Ardeleanu ihre Fundstücke zusammen: Hier ein besonders schöner Faltenwurf, dort eine Spitze aus feinster Seide, ein reizvolles Korbgeflecht, eine Perücke, teurer Schmuck oder einfaches Stroh – vor dunklem Hintergrund entstehen aus den einzelnen Elementen akribisch gemalte Nester und Stoffknäuel, in sich geschlossenen Räume aus scheinbar nicht zueinander passenden Materialien, die zu Sinnbildern für Geborgenheit werden.

Michael Reuter

“Watschn”-Mixa auf Jobsuche

23. April 2010

Er war ein Bischof “zum Anfassen”, doch nun hat er seinen Rücktritt angeboten: Bischof Mixa steht in Kürze wieder dem ersten Arbeitsmarkt zur Verfügung. Aber was genau soll er machen? Folgendes spuckte der Job-Beratungs-Computer aus:

  • Türsteher vor der Gothic-Disco “Beichtstuhl” in Erkelenz
  • unter dem Namen “Watschn to go” SM-Studios für Leute mit wenig Zeit eröffnen
  • Innenverteidiger bei Energie Cottbus

Text: http://www.titanic-magazin.de/newsticker.html

Hansjörg Fröhlich

Ein Demiurg mit Kettensäge

23. April 2010

„Skulptur ist, worüber man stolpert, wenn man zurücktritt, um sich ein Gemälde anzusehen”, meinte der Maler Ad Reinhardt. Im Atelier von Thomas Putze in den Stuttgarter Wagenhallen gibt es eine Menge Skulpturen, über die man stolpern kann. In allen Größen, von zwergenhaft bis raumfüllend. Drangvolle Enge und lärmiges Durcheinander beherrschen das kleine Hallenteil. Richtig arbeiten kann der Künstler hier schon lange nicht mehr. Warum auch? Draußen scheint die Sonne und die fliegenden Holzspäne verteilen sich auf dem verkrusteten Matschboden der beliebten Alternativ-Location in Stuttgart.

Putze zerrt eine seiner grotesken Figuren aus der dunkelsten Ecke und präsentiert sie im Licht der tief stehenden Morgensonne. Die grob geschnitzten Menschen, Elefanten, Hasen, Kopffüßler und Chimären aus Holz und rostigen Metallteilen scheinen im Atelier ein stummes, andauerndes Happening zu veranstalten. Man kann sich lebhaft vorstellen, welche Partys auf dieser etwas anderen Arche Noah abgehen, wenn die Lichter gelöscht und das Rolltor abends verschlossen wird.

Ein allzu blasphemisches Umfeld für einen ehemaligen Theologiestudenten? Putze bezeichnet sich trotz seiner neuen Berufung als Demiurg mit Kettensäge als einen Menschen, „der mit Glauben umgeht“. Die christliche Ikonografie ist stets präsent. Gewindeschrauben werden zu Pfeilen, Bolzen zu Dornenkronen und Gullideckel zu Christuskindern. „Welche Kunst ist eigentlich nicht religiös?“, fragt Putze und tätschelt die lange Zunge eines verärgerten Holzwesens.

Sein Lieblingswerkzeug ist die Motorsäge. Stundenlange Feinarbeit mit Beitel und Klöpfel ist ihm ein Graus. „Vor einiger Zeit stand in der Zeitung: ‚Pokorny hat Putze trefflich an der Motorsäge ausgebildet.’ Das war aber nie das Thema. Mich interessiert die Säge, weil sie zeichnerisch ist.“ Gelegentlich flammt er die Oberfläche eines Werkstückes ab, um die Spuren der Säge zu glätten. Doch die splitterige Oberfläche, die Schrunden und Verletzungen des Holzes sind für Putze allemal interessanter.

Ungewöhnlich und im aktuellen Kunstbetrieb eher hinderlich sind sein Umgang mit Humor, die Dehnbarkeit seines Werkbegriffes und das Spiel mit dem Kunsthandwerklichen. „Ich kann eine Figur so machen, dass es Kunsthandwerk ist, ich kann es aber auch so machen, dass es Kunst ist. Das Spannende ist dann der Moment, wo es kippt, wo es anfängt zu flirren. Die meisten Künstler sind bierernst und sehr darauf bedacht zu erklären, wie wahnsinnig wichtig sie sind. Aber die Relevanz ergibt sich aus der Sache selber. Humor ist ein Teil des Umgangs mit dem Leben.“

Michael Reuter

Sicher am Berg

19. April 2010

Der deutsche Expressionist Ernst Ludwig Kirchner fand 1918 in der höchstgelegenen Stadt Europas einen vergänglichen Frieden. Zwanzig Jahre später beschloss er, Zuflucht an einen noch höher gelegenen Ort zu suchen: Kurz vor 10 Uhr am Morgen schoss er sich mit einer Browning zweimal in die Brust.


Schön ist sie gewesen, die Schweizer Bergwelt im Jahr 1920 rund um den schon damals beliebten Luftkurort Davos. Das Gras war grün, die Bauern knorrig, die Kühe willig und die romantisierende Sehnsucht abgestumpfter Großstadtbewohner nach dem echten Leben auf dem Lande genauso fragwürdig wie in heutiger Zeit. Besonders heftig erwischte es Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), deutscher Expressionist und Gründungsmitglied der Künstlergruppe Brücke . Als er sich 1915 als Freiwilliger zum Militär meldete, war die Brücke bereits Geschichte und Kirchner hatte in den letzten beiden Jahren seine berühmten Berliner Großstadtbilder gemalt. Gut bekommen ist ihm der Dienst in der Mansfelder Feldartillerie in Halle an der Saale nicht; ein Jahr später landete er, seelisch und körperlich am Ende, drogenabhängig und mit Lähmungserscheinungen erstmals in Davos, um sich auszukurieren. Nach zwei Wochen Zähneklappern in klirrender Kälte verließ er fluchtartig die Bergwelt, aber bereits 1918 ließ er sich für den Rest seines Lebens dort nieder. „Ich bin froh und glücklich hier zu sein und zu bleiben. Hier kann ich wenigstens in den guten Tagen etwas arbeiten und ruhig unter diesen einfachen und guten Menschen sein. Ich habe mir hier in der Einsamkeit den Weg erkämpft, der mir eine Fortexistenz bei diesen Leiden ermöglicht. Meine Zeiten des Zirkus, der Kokotten und der Gesellschaft sind vorbei.“

In der Region gibt es gerade reichlich Gelegenheit, sich mit Kirchner zu beschäftigen. Neben einer großen Retrospektive im Städel Museum in Frankfurt zeigt die städtische Galerie Stihl Waiblingen in Kooperation mit dem Kirchner Museum Davos die Ausstellung Erlebnis der Berge, die sich auf grafische Arbeiten aus den zwanzig Jahren in der Schweiz konzentriert. Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt unter dem Titel Brücke Bauhaus Blauer Reiter 180 Werke aus der Sammlung des Unternehmers Max Fischer (1886-1975). Neben Arbeiten von Nolde, Munch, Beckmann, von Jawlensky, Schlemmer und Klee bilden die vielen Bilder von Kirchner einen deutlichen Schwerpunkt.

In Waiblingen sind rund hundert Exponate an dezent farbig gestalteten Wänden am Start: Sie bieten mit Themen wie „Bergleben“, „Porträt“ oder „Akt in der Landschaft“ einen unangestrengten Einblick in das grafische Werk Kirchners. In den ersten Schweizer Jahren widmete er sich fast ausschließlich den Motiven der Bergwelt und ihrer Bewohner. Hier schien er gefunden zu haben, wonach viele seiner von lebensreformerischen Vorstellungen durchdrungenen Malerkollegen immer gesucht hatten: Das einfache Leben im Rhythmus der Natur. Neben den Lithografien, Radierungen, Holzschnitten, Bleistift- und Kohlezeichnungen von mächtigen Berglandschaften, dunklen Wäldern und flinken Hirtenbengeln sind auch die ausgestellten Druckstöcke des Holzschnitts Kühe im Frühling von 19933/34 und die Radierplatte der Arbeit Bergwald von 1920 sehenswert.

Was der Ausstellung fehlt, ist ein wenig ungeschminkte Wirklichkeit als Gegengewicht zu Kirchners schwärmerischer Verklärung des Lebens am Berg. Der harte Arbeitsalltag jenseits perwollgewaschener Naturparadiesvorstellungen spricht zwar stellenweise aus den wettergegerbten Porträts, aber man merkt den Arbeiten Kirchners an, dass er nicht in der bäuerlichen Gesellschaft integriert war. „Ich habe nicht die Art, unter Menschen warm zu werden, (…) das ist Schicksal und vielleicht einer der schwersten Gründe, weshalb ich Maler wurde. Die Kunst ist ein guter Weg, seine Liebe zu den Menschen zu bezeugen, ohne sie zu incommodieren.“ Eine Fotografie zeigt den Künstler bei einer Tanzveranstaltung in seinem Haus. „In den letzten Tagen haben wir durch das Grammophon viel Besuch gehabt. Es wurde getanzt. Diese Naturkinder sind berauscht von der Musik. Ich werde interessante Sachen zeichnen können.“ Kirchner ist zwar dabei, steht aber abseits und wirkt eher wie ein freundlich gesinnter Ethnologe, der vorindustrielle Stammesriten betrachtet.

Michael Reuter

Neuaufstellung in der Stirling-Halle der Staatsgalerie

15. April 2010

Nun gut, der Kran sieht aus wie ein prähistorisches Fundstück, die Arbeit Two Plate Prop des Künstlers Richard Serra ist von 1969 und die Jungs in charge sind auch nicht gerade Frischlinge, aber trotzdem verspricht die Neuaufstellung in der Stirling-Halle der Staatsgalerie ganz interessant zu werden. (Wer mehr über das Jahr 1969 erfahren möchte, sollte das nächste sonnendeck und die aktuelle Ausstellung in der Villa Merkel nicht verpassen.)

Ab Anfang Mai gibt es Werke von Carl Andre, Donald Judd, Joseph Kosuth, Blinky Palermo,
Bruce Nauman, Dan Flavin, Ulrich Rückriem und Richard Serra zu sehen, die einen Bogen von der Minimal Art der 1960er Jahre bis zum Postminimalismus der 1980er Jahre spannt.

Auch besagte Skulptur Two Plate Prop von Richard Serra wurde eigens für die neue Schau mal wieder aus dem Depot geborgen. Aber wozu brauchen die für zwei kleine Vierecke einen Kran? Ein Anruf in der Redaktion, fünf Minuten Zeit und zwei Kästen Bier – schon hätten die Seebären des sonnendecks die läppischen 400 kg Bleiplatten an Ort und Stelle und die Schau wäre schon vor vierzehn Tagen eröffnet worden.

Michael Reuter

Die Lego-isierung der Welt

13. April 2010

Kurzfilm zu einem kompakten Ende der Welt

Hansjörg Fröhlich