Das schönste Schwarz der Welt …
… in der Städtischen Galerie Albstadt noch bis 06. Juni

Ein bisschen Interesse für künstlerische Drucktechniken sollte der Betrachter schon mitbringen, um die Ausstellung Schwarze Kunst – Geheimnis, Faszination und Sinnlichkeit einer Drucktechnik genießen zu können. Mit Schwarzer Kunst ist das Mezzotintoverfahren gemeint, das im 17. Jahrhundert entwickelt wurde und sich, anders als etwa der Holzschnitt oder der Kupferstich, sogar mit einem namentlich bekannten Erfinder schmücken kann. Der Adlige Ludwig von Siegen hatte 1642 die zündende Idee, eine Kupferplatte vor der weiteren Bearbeitung komplett aufzurauen – zumindest datiert das erste bekannte Blatt, ein Porträt der Landgräfin Elisabeth von Hessen-Kassel, aus diesem Jahr. Diese Granierung wurde am Anfang mit Zacken- oder Spornrädchen angelegt, die in verschiedenen Richtungen über die Platte geführt wurden. Ein ziemlich mühseliger Vorgang, der je nach Größe der Platte mehrere Tage bis Wochen in Anspruch nehmen konnte, bis diese möglichst vollständig und vor allem gleichmäßig aufgeraut war.
Ohne weitere Veränderungen würde die Platte eine komplett schwarze Fläche drucken. Durch Glättung des Rasters kann der Künstler nun weiche, malerische Effekte mit vielen Zwischentönen herausarbeiten; deshalb wird die Technik auch als Schabkunst bezeichnet. Es wird aus dem Dunkeln ins Helle gearbeitet. Beim Kupferstich oder der Radierung müssen Flächen, die im Druck dunkel erscheinen sollten, schraffiert oder gepunktet werden. Hier arbeitet der Stecher vom Hellen ins Dunkle.

Standen am Anfang überwiegend Porträtbilder, erkannten die experimentierfreudigen Künstler schnell, dass sich die Schwarze Kunst auch prima für die Reproduktion von Gemälden eignete. Nach dem Export der Technik nach England durch den adligen Maler Prinz Ruprecht von der Pfalz erreichte das Mezzotinto dort als English manner im 18. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Beliebtheit.
Wer intensiver in die Materie einsteigen will, dem sei der umfangreiche Katalog empfohlen, der zum Standardwerk für Tiefdruck-Freaks avancieren dürfte. Die zentralen Textbeiträge stammen vom Künstlerehepaar Martina AltSchäfer und Bernd Schäfer, das in jahrelangem Engagement Geschichte und Technik des Mezzotintos aufarbeitete.
Die Städtische Galerie Albstadt zeigt die Entwicklung der Schabkunst von den Anfängen bis zur Gegenwart, denn auch zeitgenössische Künstler haben sich in der Technik erfolgreich ausprobiert. Hier zeigte sich die graphische Sammlung der Galerie mal wieder als ergiebige Fundgrube. Arbeiten von Martina AltSchäfer, Wolfgang Gäfken, Alfred Hrdlicka und anderen zeigen, was man alles mit Schaber und Polierstahl anstellen kann.

Zur Europäischen Nacht der Museen am 15. Mai findet ab 18 Uhr ein Künstlergespräch an der Tiefdruckpresse mit Martina AltSchäfer, Udo Claaßen, Wolfgang Gäfgen und Bernd Schäfer statt und zum Internationalen Museumstag am 16. Mai ist der Eintritt frei.

Höre das erste Mal von der Mezzotinto-Technik! Bitte zukünftig noch mehr Beiträge dergestalt! Vielen Dank und schönen Tag!