Die wandelnde Antithese
Rainer Ganahls Ausstellung “Holzwege” im Hospitalhof

Als wandelnde Antithese zu sterilen künstlerischen Vermarktungsstrategien gibt der 1961 in Österreich geborene Rainer Ganahl unbekümmert den durchgeknallten Anarcho-Künstler, der mit Perumütze auf dem Kopf und Karl Marx‘ gesammelten Werken unter dem Arm durch die Welt vagabundiert. Seine Website geriert sich dabei ebenso unkonventionell wie ihr Schöpfer. Über den Text eines Interviews hatte Ganahl gerade noch Zeit „unedited – also unkorrigiert.. – nicht einmal durchgelesen“ zu setzen, schon eilt sein Geist zum nächsten Projekt. Seine Installationen, Videos, Skulpturen und Collagen verweisen über sieben Ecken auf alle möglichen Aspekte von Historie und Gegenwart. Er liest gerne öffentlich aus dem „Kapital“ und nimmt auch sonst kein Blatt vor den Mund. In die konzeptionelle Ecke möchte er sich trotz extrabreitem Arbeitsspektrum nur im äußersten Notfall gedrängt wissen. „Ich arbeite so wie ich denke, rede und schreibe: mit offenen Türen, Toren, Flügeln, und Deckeln“, erklärt er in einem Interview, das er auf die Site stellte, ohne sich unnötige Gedanken über Umlaute zu machen. Ganahl lehrt an der Kunstakademie Stuttgart, lebt in New York und ist stets irgendwo auf der Welt präsent und bei der Arbeit. Ein Weltenstaubsauger, dessen künstlerischer Ausstoß genussvoll den globalisierten Tempowahn spiegelt.
Im Hospitalhof Stuttgart zeigt Ganahl bis Ende Mai die Ausstellung Holzwege. Ein Passionsspiel, die mit vielen Querverweisen auf die wechselhafte Geschichte des Ortes Bezug nimmt. Ursprünglich ein Dominikanerkloster, wurde der Hospitalhof 1536 säkularisiert und ab dem 19. Jahrhundert als Polizeigefängnis genutzt. Unter der Bevölkerung kursierte der Name „Büchsenschmiere“, wegen seiner Lage in der Büchsenstraße. Mittlerweile hat sich der Hospitalhof als Ort der Bildung etabliert. Ohne geistige Vorarbeit ist für den Betrachter bei Ganahls Passionsspiel nichts zu holen, die Ausstellung ist aber im Netz komplett dokumentiert.

Lieber Michael Reuter,
freue mich sehr über den Post zur Ganahl-Ausstellung!
Klasse!!!! Vielen Dank und bitte weiter so!!! Leider funktioniert der Link zur Ausstellungsdokumentation nicht??? … und ja, schade, dass ich nicht bei der Vernissage war, es kursiert das Gerücht?, dass Ganahl aber Anfang Juni nochmals im Hospitalhof sein soll?