Ein Schlossherr mit einer Schwäche für Kunst findet eine ehemalige Wasserburg im Ostalbkreis von Schwäbisch-Gmünd. Zusammen mit jungen Kuratoren aus dem Süddeutschen Raum entsteht aus dieser Kombination 2005 zum ersten Mal die LEINZELL OPEN: Eine Kunstschau junger Kunstakademieabsolventen und etablierter Künstler in den steinigen Mauern des Leinzeller Schlosses. Für die Schau in diesem Sommer konnten die Kuratoren 25 Künstler für die LEINZELL OPEN gewinnen, darunter Rainer Ganahl, die Künstlergruppe der Filderbahnfreunde Möhringen und die Berliner Fotografin Susa Templin. Werke von Wolf Pehlke, der vor kurzem erst für den Oberrheinischen Kunstpreis ausgesucht wurde, werden ebenfalls zu sehen sein.
Die junge Generation der frischen Akademieabsolventen wird durch Jan Löchte, der gerade erst seine Debütausstellung im Neubau der Stuttgarter Kunstakademie zeigte, Robert Matthes und Michael Stolz vertreten. Internationale Gäste sind vor allem der poetisch arbeitende New Yorker Künstler Alex Jovanovich und der israelische Video-Künstler Gilad Ratman.
Die Räumlichkeiten des Schlosses werden bis zum 8. August jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr und nach Absprache geöffnet sein.
Saarbrücken hat sich diesen Sommer zum temporären Kunstraum erklärt, im Zentrum steht der Eurobahnhof. Dessen Schilderwelt gab dem ganzen Spektakel offensichtlich auch den Namen und die Inspiration mancher Kunstaktion. Eingeladen wurden die fünf Künstler Byung Chul Kim (Seoul/Stuttgart), Bernardete Fernandes (Saarbrücken), Simone Decker (Luxembourg/Frankfurt), Köbberling/Kaltwasser (Berlin) und Jürgen Palmtag (Schörzingen).
Der zuletzt genannte hat jetzt seinen Beitrag zum Projekt, das bis in den September gehen wird, bekannt gegeben: WO DORT LINKS wird es heißen, und voller Fahrräder soll es sein. Die will er an den unterschiedlichsten Stellen der Stadt verteilen, immer versehen mit Textaufklebern dort wo eigentlich die Firmenlogos zu sehen sind. Diese Textaufkleber sollen die Räder zu potentiell mobilen Botschaftern werden lassen, die aus dem Stadtraum eine statische Netzstruktur aus Stationen mit Ständern und Texten werden lassen. Die mobilen Textelemente auf den Fahrrädern stehen damit in einem prozesshaften, nicht vorhersagbaren und sich ständig verändernden Bezugssystem zu den statischen Ständer- und Textstationen. In das bestehende System von Verkehrszeichen und Logos sickern Palmtags Fahrradtexte gemächlich und vereinzelt ein.
Wem die Reise nach Saarbrücken zu weit ist, kann zwar keine Fahrräder aber dafür andere Werke Jürgen Palmtags vom 3. Juli bis zum 8. August auf dem Schloss Leinzell besichtigen, die dort im Rahmen der Kunstschau Leinzell Open zu sehen sein werden.
Was hat M. Özil heute Nacht wohl geträumt? Mit Hilfe einer Schnittstelle unter seinem Kopfkissen, hat das Traumforscherteam vom sonnendeck die erstaunliche Bilderwelt des Torschützen angezapft.
Jedes Medium wird erst durch seine Störung sichtbar und so ist das wohl auch mit einem Knopf: Erst wenn er fehlt, bemerkt man, dass er vorher da war. Britta Marquardt, Absolventin der Stuttgarter Kunstakademie, sammelt Knöpfe und rückt sie zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das zusammenhaltende Schlüsselelement des Verhüllens wird zu Marquardts Materialgrundlage. Trotzdem bleibt die Geschichte tragisch: Seiner eigentlichen Funktion beraubt, hält der Knopf nur noch sich selbst zusammen. Nebe hunderten anderen Knöpfen wird er zum Schutzschild oder zur funkelnden Schuppenhaut.
Überhaupt sammelt Marquardt gerne: Einkaufstüten, Puppenstuben, Nippesfiguren und alle Arten abgelegter Haushaltsgegenstände. Was andere verlieren, findet sie. Vor ihrem Studium hatte sie sich als Tischlerin lange mit Holz und Elfenbein beschäftigt, eine offensichtliche Verliebtheit in Material und dessen Detail ist offensichtlich geblieben.
Seit Anfang Juni präsentiert die EnBW Karlsruhe Marquardts Arbeiten in der Ausstellungsreihe “Ateliereinblicke”, in welcher vor allem junge Talente der regionalen Kunstakademien gefördert werden sollen. Marquardts Werke können noch bis zum 27. August im Foyer in der Durlacher Allee 93 in Karlsruhe besichtigt werden. Dieses ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
Diesmal im Forum Würth in Arlesheim, schön gelegen im Schweizer Teil des Dreiländerecks. Hier zeigen die 19 Meisterschüler aus dem Badischen, warum sie ihre Ernennung verdient haben. Durch die Auszeichnung des ‘Mesiterschülers’ , die ausgewählten Absolventen der Akademie durch ihre Professoren verliehen wird, dürfen die Studenten ein weiteres Jahr an der Akademie studieren und erhalten zusätzlich einen Atelierplatz. Die Vielfältig- und Vielgestaltigkeit ihrer Arbeiten, die alle zeitgenössischen Ausdruckformen von der Malerei, Bildhauerei, Zeichnung und Grafik, aber auch Videokunst und Performance umfasst, macht die grenzenlosen Möglichkeiten deutlich, die der Kunst eigen sind.
Jährlich zeigen die ausgesuchten Absolventen der Kunstakademie Karlsruhe in wechselnden Institutionen ihre Werke, zusätzlich erscheint ein Katalog. Durch das Meisterschüler-Projekt gewinnen die Studierenden einen vergrößerten, weit die Region überragenden Wirkungskreis, und auch der Kunstakademie selbst bietet sich die Gelegenheit, ihre Arbeit einem breiteren Publikum vorzustellen.
Die Ausstellung läuft vom 11. Juni bis 12. September 2010, geöffnet ist sie von Montag bis Sonntag 11-17 Uhr.
Stadtplan, Straßenkarte, Ortsschilder: Wen interessierts. Entschuldigung, es ist das Jahr 2010, wir müssen lang nicht mehr vor die Tür gehen um verreisen zu können und seit Google Earth ist sogar der Blick in Nachbars Badezimmer ohne eigene physische Bewegung abseits des seltenen Klickens der Maus möglich. Die virtuelle Welt als Abbild der Wirklichkeit, bestehend aus 1/0-Folgen ist zur ernstzunehmenden Konkurrenz der Realität geworden. Und was passiert wenn beide aufeinander knallen? Wenn man sich plötzlich mit dem virtuellen System im realen System orientieren und organisieren muss? Oder noch schlimmer: Wenn man die Grenze der beiden Welten plötzlich nicht mehr findet, vor lauter Orientierungshilfen?
In Berlin Kreuzberg widmen Florina Limberg und Daniela Walz dem Thema der digitalen Orientierung bis Anfang August eine Ausstellung: LOCATE ME. Die Frage nach dem Standort, den eigenen Standpunkten und der Verantwortung des Ichs im urbanen Raum wird dort gestellt – und das nicht nur im digitalen Raum einer Stadt, in der schon manch einer verloren ging.