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Das war 2011

2. Januar 2012

Finnische Architekten komponieren und verfilmen den Soundtrack zum vergangenen Jahr:

Hansjörg Fröhlich

Wie wünschen allen sonnendeck-Fans ein lässiges 2012

1. Januar 2012

Zwischen Vogueing und rekontextualisiertem Hinternschüttel: Hier ein Choreographie-Vorschlag fürs neue Jahr!

Weitere Anregungen für Schritte in 2012, hier

Hansjörg Fröhlich

why should the wicked ones rule?

6. November 2011

Pro Minute kauft der Deutsche derzeit Gold im Wert von 13 000 Euro. Ärzte und Psychiater melden einen enormen Anstieg von Patienten mit Panikattacken, die auf Inflationsängste zurückgehen. Sind wir so reich? Was hat dieses Land nicht alles erlebt: Stand in den 80ern kurz vor dem Atomkrieg, hat den Klimakollaps permanent vor Augen, schickt seine Schüler auf Ritalin. Doch jetzt, wenn ein paar Großbanken, eine jederzeit austauschbare Währung und Frau Merkel auf dem Spiel stehen, zittern alle wie Espenlaub. Das ist lächerlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lest mal wieder einen guten Roman und geht früh zu Bett:

Hansjörg Fröhlich

Keine Panik jetzt

5. Oktober 2011

Stellt euch vor, ihr checkt morgen früh online euer Konto und stellt fest, dass ihr grad mal noch 3 Drachmen Guthaben habt. Über Nacht wurde der Euro abgeschafft und in die hanebüchernste aller Währungen konvertiert. Es geht jetzt darum schnell zu sein. Einige Läden könnten die Umstellung noch nicht bemerkt haben und noch die paar letzten in euren Jeans schlummernden (jetzt wertlosen) Euros nehmen und gegen gute Euro-Ware eintauschen. Was werdet ihr tun?

Tipp der Redaktion: Legt zusammen und kauft euch beim Wein-Kreis einen Armagnac von Francis Darroze. Besser kann man die Krise nicht polieren.

Aber sagt selbst, was werdet ihr tun?

Die ersten 10 Einsender brauchbarer Vorschläge erhalten ein Trümmerfrauenhemd von Joop, die nächsten 10 eine Thermoskanne vom Outdoor-Hersteller Esbit und die letzten 10 eine Dynamo-Taschenlampe.

Das ist doch was!?

serious information

Hansjörg Fröhlich

Ein weiterer Eintrag im Schwarzen Album

14. September 2011

Der britische Künstler und Grafiker Richard Hamilton ist tot. Er galt als einer der Väter der Pop-Art. Von 1948 bis 1951 studierte er Malerei an der Slade School of Fine Arts und begann seine Karriere mit Zeichnungen, die er angeregt durch den Roman Ulysses von James Joyce fertigte. Im Jahr 1956 präsentierte Hamilton in der Whitechapell Art Gallery die zukunftsweisende Ausstellung „This is Tomorrow“. Mit der kleinen Collage „Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?(1956)“ kreierte er eine Ikone der Pop Art – also lange vor Andy Warhol und Rauschenberg. Fotografien, Plakate, Fernsehspots und Kitsch-Gegenstände schlachtete er als Rohstoff aus und folgte damit seinem großen Vorbild Marcel Duchamp mit dem er 1967 für Sieves zusammenarbeitete und dessen Retrospektive er 1966 für die Tate Galley organisierte. Der 1922 in London geborene Schildkappenträger schuf aber auch Gemälde und Skulpturen, gestaltete zudem das Cover für das 1968 erschienene White Album der Beatles. Eine Kontroverse löste Hamilton vor wenigen Jahren aus, als er den damaligen britischen Premierminister Tony Blair in seinem Bild Shock and Awe (2007) mit Cowboy-Shirt und Waffengürtel auf dem Weg in den Irak-Krieg zeigte. Der Turner-Preisträger und zweimalige documenta-Teilnehmer galt als Künstler-Künstler: Andere nahmen seine Ideen auf, entwickelten sie weiter, bezogen sich auf ihn. Richard Hamilton wurde von vielen Kollegen, darunter auch Andy Warhol, Dieter Roth (mit dem er 1978 zusammenarbeitete) oder Joseph Beuys, hochgeschätzt. Sein Credo war: “Ich lehne die Vorstellung ab, dass es in der Kunst darum geht, einen Stil zu haben. Stil interessiert mich nicht. Der Stil sollte sich eher an das Subjekt anpassen, als andersherum.” Stillos war nun auch sein Tod. Mitten in den Vorbereitungen zu einer großen Retrospektive seines Lebenswerks, starb Hamilton am Dienstag dieser Woche nach kurzer Krankheit. R.I.P.

Hansjörg Fröhlich

Kunst als Gehhilfe

30. Juli 2011

Dem Programm des zweifellos ambitionierten ostösterreichischen Fernsehsenders bkf zufolge, hat sich im ebenfalls österreichischen Oberwart (PLZ 7400) ein Kunstmessias eingerichtet, der “absolut konsequent seinen Weg geht” und der nicht “um jeden Preis gefallen möchte”. Nun ist ein Messias, der nicht gefallen möchte an sich schon eine Seltenheit, zumal in Österreich, doch Christian Kammerhofer, so der Klarname des Weltenretters, geht noch weiter, er zeigt “Ecken und Kanten” und will mit seiner Kunst “akzeptiert werden”. Seine in der Reportage gezeigten Werke sind durchweg indiskutabel, einfallslos und entbehren jeglicher Handschrift. Der Messias Kammerhofer selbst lugt unter einem grauen Fischerhütchen hervor, wie ein Lurch, der gerade erfahren hat, dass er auf die Liste der bedrohten Tierarten aufgenommen wurde. Mit der Ambivalenz dieser prekären Situation – einerseits wurde er aus der Masse von Kunstlurchen vom “Burgenland Fernsehen” ausgewählt und somit einer gewissen Prominenz zugeführt, andererseits besteht der Grund für diese Erwählung in der Tatsache, dass seine Art der Existenz offensichtlich einer Bedrohung unterliegt – kommt Kammerhofer in dem zweiminütigen Einspieler nicht zurecht und versucht sich mit belanglosem Lurchsprech aus der Affäre zu ziehen.

Wieder erweist sich die Entscheidung, auch als vollkommen ahnungs- und planloser TV-Sender, alle klassischen Ressorts abzudecken als Ärgernis. Könnte bkf statt ihrer Kulturreportage nicht einfach zwei Minuten früher Schluss machen?

Aus Dokumentationszwecken hier der Orginalbeitrag:

Schön auch die Abmoderation von Harald Kuchwalek: “Das wars vom Aktuell-Block!”

Der Vollständigheit halber hier noch Kammerhofers Website:

http://www.kammerhofer-christian.com/

Hansjörg Fröhlich

eins und eins = zwei

24. Juli 2011

Innerhalb von 48 Stunden wurden in Nord-Londoner Wohnungen zwei reglose Körper gefunden. Der eine war ausgezehrt, alt und berühmt und gehörte Lucien Freud, der andere war ausgemergelt, jung und berühmt und hörte auf den Namen Amy Winehouse. Kann dies Zufall sein?

Wer binnen 48 Stunden die beste Verschwörungstheorie als Kommentar postet, bekommt den sonnendeck-Preis für Rituelle Realität.

1. Preis: Der Preisträger erhält ein Gratis-Portrait – ausgeführt als liegender Akt – das ihn 35 kg schwerer erscheinen lässt, als er tatsächlich ist. Gemalt von einem Künstler, der das Vertrauen der sonnendeck-Redaktion genießt.

2. Preis: Der Preisträger erhält einen Gratis-Skandalauftritt auf der Bühne eines Belgrader Konzerthaus’, den er nach dem Konsum von gravierenden Mengen hochwirksamer Narkotika, nebst 2 Liter Vodka (Kosten trägt die sonnendeck-Redaktion) vor einen gröhlenden Menge nationalistisch aufgeputschter Serben absolvieren darf.

3. Preis: Der Preisträger erhält einen Porsche Cayenne. 

Einsendungen bitte in den nächsten 48 Stunden.

Ein Doppelnachruf folgt nach Bekanntgabe der Gewinner.

Hansjörg Fröhlich

Tod eines Kritzlers

6. Juli 2011

Gestern ist im Alter von 83 Jahren der us-amerikanische Künstler Cy Twombly gestorben. Der seit 1957 in Rom Ansässige hat wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler das Klecksen und Kritzeln zu seinem Markenzeichen gemacht und sah sich daher Zeit seines Lebens den Angriffen der “das kann ich auch/das ist doch keine Kunst”-Fraktion ausgesetzt. Twombly hat wie ein Magnet alle Ressentiments, die eine formkonservative Bürgergesellschaft gegenüber expressionistischen Neuströmungen pflegt, auf sich gezogen. Er war ein Märtyrer. Geboren im US-Staat Virginia, galt seine Liebe gleichwohl (oder folgerichtig) dem Alten Europa – dem deutschen Expressionismus und dem griechisch-römischen Kulturerbe. Nach langen Reisen mit Freund Robert Rauschenberg durch Nordafrika und Europa ließ sich Cy 1957 in Rom nieder, dem Gravitätszentrum der europäischen Antike. Als seine Generation schon längst Riesenerfolge feierte, blieben bei Twombly die Schecks aus, die Konten leer. Er war das traurige Entlein unter divenhaften Schwänen und polternden Pfauen. Erst in den letzten Jahren erhielt der Stoiker gewisse marktechnische Anerkennung und verkaufte oberhalb der 5-Mio-$-Marke. Für sein letztes Werk “The Ceiling” (2010) - die Übermalung von 400 qm Deckenfläche im Louvre zu Paris – wählte Cy die Farbe der Unendlichkeit, Blau, und lockerte mit gefüllten Kreisen (Planeten?) in Weiß und Ocker auf. Die Randbereiche der Decke sind mit den Namen antiker Baumeister in griechischen Schriftzeichen bedeckt, die die Gesamtwirkung ein wenig ins ikonenhafte, archaisch-religiöse rücken. Für diese Arbeit wurde der abstrakte Expressionist Twombly zum Ritter der französischen Ehrenlegion geschlagen, man kann sich seine Genugtuung lebhaft vorstellen – endlich war er (alter) Europäer. Gestern, nun, hat ihn der Krebs dahingerafft. Er starb - mit Blick aufs Meer - im Zentrum (s)einer untergegangenen Welt, in Rom. R.I.P.

Hansjörg Fröhlich