Kritik der Kritik

Vorbei sind die Zeiten als der Kunstkritiker dem Künstler nahebrachte was sein Publikum über ihn denkt. Heute meint er dem ahnungslosen Bildbetrachter vermitteln zu müssen was der Künstler eigentlich sagen wollte. Prof. Dr. Christian Demand verweist in seinem Buch „Die Beschämung der Philister – Wie die Kunst sich der Kritik entledigte“ dieses Treiben in die Schranken. Mit einem geschichtlichen Abriss der Kunstkritik seit den 1820er Jahren bis hin zu den inhaltsfreien Lobpreisungen eines Robert Ryman entlarvt er einen sich zuspitzenden, pseudoreligiösen Fanatismus. Der Künstler als Prophet, der Kritiker als sein Prediger, der Kunstbetrachter als zu bekehrender Heide, als verlorenes Schäfchen das jederzeit den Niederungen des Kitsches anheimzufallen gefährdet ist. Buhmänner der historischen Kunsttheorie wie Hegel und Sedlmayr erscheinen unter den veränderten Vorzeichen in neuem Lichte. Demands fabulierlustiger Wörterreigen ist ein bitterböser Abgesang auf die Kunstkritik der Neuzeit. Mehr…
