Nur einen Tag an nur einem Ort: Gabi Buch zeigt am Samstag, 4. September, ab 17 Uhr unter dem Titel “Fragile” bei Takinu, Schlosserstrasse 2, Wilhelmsplatz, Stuttgart Mitte. Was sie zeigt und wie sie es präsentiert kann nur durch selbst hingehen erfahren werden. Das Sonnendeck wünscht viel Vergnügen.
Die Entfunktionalisierung alltäglicher Medien ist doch immer wieder eine schöne Idee: Aus dem Fernseher ein Aquarium basteln, aus Telefonanlagen Blumentöpfe oder eben aus der Tageszeitung einen Jahreskalender. Die beiden Kommunikationsdesignstudentinnen der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe Nora Cristea und Antonia Huber habens getan: parallel zu ihrem Studium das Grafikkollektiv full&frank gegründet und damit gleich den ersten Zeitungskalender 2011 entworfen. Dieser lässt Platz für tägliche Weltuntergänge und Wettermeldungen abseits des allgemeinen Weltgeschehens und für den ganz persönlichen Eigenbedarf und ist hoffentlich bald über die Website der beiden Verlegerinnen erhältlich.
“Wenn ich am Klavier sitze oder komponiere, dann fühle ich mich oft wie ein Maler, der mit Tönen und Klangfarben die unsichtbaren Bilder und Klangtöne der Welt einfängt.”, sagt Steffen Wick.
Der Stuttgarter Komponist gehört einer Generation an, die sich gerne mit dem Überschreiten der Genregrenzen beschäftigt – vielleicht auch aus diesem Grund hat er sich für die Uraufführung der ‘Piano Particles’ den Lichtdesigner Chris Beckett in sein Team geholt, der sonst für David Copperfield arbeitet. Musikalisch soll sich beim Releasekonzert Ende September zur gleichnamigen CD alles zwischen Klassik und Elektronik bewegen, zwischen musikalischer Weltenschaffung und ästhetischer Aneinanderreihung von Tonbausteinen.
Es ist zwar noch eine Weile hin, aber beim winterlich gefühlten Sommerwetter bestimmt eine Überlegung wert. Uraufgeführt wird ‘Piano Particles’ am Dienstag, 28. September 2010, um 20.15 Uhr im Theaterhaus Stuttgart.
Nach der Pop Art Mel Ramos’ im Winter und Karin Kneffels Malereien im Frühling, hat die Kunsthalle Tübingen im Sommer und Herbst ihre Räume der Fotografie geöffnet. Statt Düsseldorfer Becher-Schule und Namen wie Gursky, Ruff oder Höfer gibt es hier einen Autodidakten zu sehen, der sich in den 80er Jahren durch die Berliner Kunstszene experimentierte und trotzdem beim Europäischen Preis für Fotografie in Frankfurt am Main ankam.
Helikopter, ein Bündel brauner Bananen, eine Rote-Beete-Knolle, ein kopfloses Reiterstandbild und ein Eselskopf: Florschuetz schert sich bei der Anordnung seiner Bilder nicht um inhaltliche Stringenz. Seine Werke erzählen von Architektur und deren Umgebung; von Schärfe, Unschärfe und Spiegelung. Die Fotografien sind großformatig aufgezogen, die Kunsthalle Tübingen zeigt insgesamt 95 davon. Geöffnet ist die Ausstellung vom 17. Juli bis zum 26. September, Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.
Arty People statt lahmer Kastanientiere? Grelle Textexplosionen statt nasser Gummistiefel?
IM HERBST EIGENTLICH SCHON WAS VOR?
Das Sonnendeck zusammen mit der ‘DECK Galerie sucht nämlich wieder: einen schreibwütigen und kunstbegeisterten Praktikanten! Sechs Monate solltest zu Zeit habe, ab Mitte September 2010 darfs losgehen. Schau doch am besten mal hier:
Ein Schlossherr mit einer Schwäche für Kunst findet eine ehemalige Wasserburg im Ostalbkreis von Schwäbisch-Gmünd. Zusammen mit jungen Kuratoren aus dem Süddeutschen Raum entsteht aus dieser Kombination 2005 zum ersten Mal die LEINZELL OPEN: Eine Kunstschau junger Kunstakademieabsolventen und etablierter Künstler in den steinigen Mauern des Leinzeller Schlosses. Für die Schau in diesem Sommer konnten die Kuratoren 25 Künstler für die LEINZELL OPEN gewinnen, darunter Rainer Ganahl, die Künstlergruppe der Filderbahnfreunde Möhringen und die Berliner Fotografin Susa Templin. Werke von Wolf Pehlke, der vor kurzem erst für den Oberrheinischen Kunstpreis ausgesucht wurde, werden ebenfalls zu sehen sein.
Die junge Generation der frischen Akademieabsolventen wird durch Jan Löchte, der gerade erst seine Debütausstellung im Neubau der Stuttgarter Kunstakademie zeigte, Robert Matthes und Michael Stolz vertreten. Internationale Gäste sind vor allem der poetisch arbeitende New Yorker Künstler Alex Jovanovich und der israelische Video-Künstler Gilad Ratman.
Die Räumlichkeiten des Schlosses werden bis zum 8. August jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr und nach Absprache geöffnet sein.
Saarbrücken hat sich diesen Sommer zum temporären Kunstraum erklärt, im Zentrum steht der Eurobahnhof. Dessen Schilderwelt gab dem ganzen Spektakel offensichtlich auch den Namen und die Inspiration mancher Kunstaktion. Eingeladen wurden die fünf Künstler Byung Chul Kim (Seoul/Stuttgart), Bernardete Fernandes (Saarbrücken), Simone Decker (Luxembourg/Frankfurt), Köbberling/Kaltwasser (Berlin) und Jürgen Palmtag (Schörzingen).
Der zuletzt genannte hat jetzt seinen Beitrag zum Projekt, das bis in den September gehen wird, bekannt gegeben: WO DORT LINKS wird es heißen, und voller Fahrräder soll es sein. Die will er an den unterschiedlichsten Stellen der Stadt verteilen, immer versehen mit Textaufklebern dort wo eigentlich die Firmenlogos zu sehen sind. Diese Textaufkleber sollen die Räder zu potentiell mobilen Botschaftern werden lassen, die aus dem Stadtraum eine statische Netzstruktur aus Stationen mit Ständern und Texten werden lassen. Die mobilen Textelemente auf den Fahrrädern stehen damit in einem prozesshaften, nicht vorhersagbaren und sich ständig verändernden Bezugssystem zu den statischen Ständer- und Textstationen. In das bestehende System von Verkehrszeichen und Logos sickern Palmtags Fahrradtexte gemächlich und vereinzelt ein.
Wem die Reise nach Saarbrücken zu weit ist, kann zwar keine Fahrräder aber dafür andere Werke Jürgen Palmtags vom 3. Juli bis zum 8. August auf dem Schloss Leinzell besichtigen, die dort im Rahmen der Kunstschau Leinzell Open zu sehen sein werden.
Jedes Medium wird erst durch seine Störung sichtbar und so ist das wohl auch mit einem Knopf: Erst wenn er fehlt, bemerkt man, dass er vorher da war. Britta Marquardt, Absolventin der Stuttgarter Kunstakademie, sammelt Knöpfe und rückt sie zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das zusammenhaltende Schlüsselelement des Verhüllens wird zu Marquardts Materialgrundlage. Trotzdem bleibt die Geschichte tragisch: Seiner eigentlichen Funktion beraubt, hält der Knopf nur noch sich selbst zusammen. Nebe hunderten anderen Knöpfen wird er zum Schutzschild oder zur funkelnden Schuppenhaut.
Überhaupt sammelt Marquardt gerne: Einkaufstüten, Puppenstuben, Nippesfiguren und alle Arten abgelegter Haushaltsgegenstände. Was andere verlieren, findet sie. Vor ihrem Studium hatte sie sich als Tischlerin lange mit Holz und Elfenbein beschäftigt, eine offensichtliche Verliebtheit in Material und dessen Detail ist offensichtlich geblieben.
Seit Anfang Juni präsentiert die EnBW Karlsruhe Marquardts Arbeiten in der Ausstellungsreihe “Ateliereinblicke”, in welcher vor allem junge Talente der regionalen Kunstakademien gefördert werden sollen. Marquardts Werke können noch bis zum 27. August im Foyer in der Durlacher Allee 93 in Karlsruhe besichtigt werden. Dieses ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.