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AUSGANG CITY – AUFGANG NORD: Jürgen Palmtag mitten im temporären Kunstraum Saarbrückens

25. Juni 2010

Saarbrücken hat sich diesen Sommer zum temporären Kunstraum erklärt, im Zentrum steht der Eurobahnhof. Dessen Schilderwelt gab dem ganzen Spektakel offensichtlich auch den Namen und die Inspiration mancher Kunstaktion. Eingeladen wurden die fünf Künstler Byung Chul Kim (Seoul/Stuttgart), Bernardete Fernandes (Saarbrücken), Simone Decker (Luxembourg/Frankfurt), Köbberling/Kaltwasser (Berlin) und Jürgen Palmtag (Schörzingen).

Der zuletzt genannte hat jetzt seinen Beitrag zum Projekt, das bis in den September gehen wird, bekannt gegeben: WO DORT LINKS wird es heißen, und voller Fahrräder soll es sein. Die will er an den unterschiedlichsten Stellen der Stadt verteilen, immer versehen mit Textaufklebern dort wo eigentlich die Firmenlogos zu sehen sind. Diese Textaufkleber sollen die Räder zu potentiell mobilen Botschaftern werden lassen, die aus dem Stadtraum eine statische Netzstruktur aus Stationen mit Ständern und Texten werden lassen. Die mobilen Textelemente auf den Fahrrädern stehen damit in einem prozesshaften, nicht vorhersagbaren und sich ständig verändernden Bezugssystem zu den statischen Ständer- und Textstationen. In das bestehende System von Verkehrszeichen und Logos  sickern Palmtags Fahrradtexte gemächlich und vereinzelt ein.

Wem die Reise nach Saarbrücken zu weit ist, kann zwar keine Fahrräder aber dafür andere Werke Jürgen Palmtags vom 3. Juli bis zum 8. August auf dem Schloss Leinzell besichtigen, die dort im Rahmen der Kunstschau Leinzell Open zu sehen sein werden.

Arnika Fürgut

LOST & FOUND: Die Förderausstellung der EnBW zeigt was Britta Marquardt findet, wenn sie gar nichts sucht

23. Juni 2010

Jedes Medium wird erst durch seine Störung sichtbar und so ist das wohl auch mit einem Knopf: Erst wenn er fehlt, bemerkt man, dass er vorher da war. Britta Marquardt, Absolventin der Stuttgarter Kunstakademie, sammelt Knöpfe und rückt sie zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das zusammenhaltende Schlüsselelement des Verhüllens wird zu Marquardts Materialgrundlage. Trotzdem bleibt die Geschichte tragisch: Seiner eigentlichen Funktion beraubt, hält der Knopf nur noch sich selbst zusammen. Nebe hunderten anderen Knöpfen wird er zum Schutzschild oder zur funkelnden Schuppenhaut.

Überhaupt sammelt Marquardt gerne: Einkaufstüten, Puppenstuben, Nippesfiguren und alle Arten abgelegter Haushaltsgegenstände. Was andere verlieren, findet sie. Vor ihrem Studium hatte sie sich als Tischlerin lange mit Holz und Elfenbein beschäftigt, eine offensichtliche Verliebtheit in Material und dessen Detail ist offensichtlich geblieben.

Seit Anfang Juni präsentiert die EnBW Karlsruhe Marquardts Arbeiten in der Ausstellungsreihe “Ateliereinblicke”, in welcher vor allem junge Talente der regionalen Kunstakademien gefördert werden sollen. Marquardts Werke können noch bis zum 27. August im Foyer in der Durlacher Allee 93 in Karlsruhe besichtigt werden. Dieses ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Arnika Fürgut

Die 19 Meisterschüler der Karlsruher Kunstakademie präsentieren die TOP 10

16. Juni 2010

Diesmal im Forum Würth in Arlesheim, schön gelegen im Schweizer Teil des Dreiländerecks. Hier zeigen die 19 Meisterschüler aus dem Badischen, warum sie ihre Ernennung verdient haben. Durch die Auszeichnung des ‘Mesiterschülers’ , die ausgewählten Absolventen der Akademie durch ihre Professoren verliehen wird, dürfen die Studenten ein weiteres Jahr an der Akademie studieren und erhalten zusätzlich einen Atelierplatz. Die Vielfältig- und Vielgestaltigkeit ihrer Arbeiten, die alle zeitgenössischen Ausdruckformen von der Malerei, Bildhauerei, Zeichnung und Grafik, aber auch Videokunst und Performance umfasst, macht die grenzenlosen Möglichkeiten deutlich, die der Kunst eigen sind.

Jährlich zeigen die ausgesuchten Absolventen der Kunstakademie Karlsruhe in wechselnden Institutionen ihre Werke, zusätzlich erscheint ein Katalog. Durch das Meisterschüler-Projekt gewinnen die Studierenden einen vergrößerten, weit die Region überragenden Wirkungskreis, und auch der Kunstakademie selbst bietet sich die Gelegenheit, ihre Arbeit einem breiteren Publikum vorzustellen.

Die Ausstellung läuft vom 11. Juni bis 12. September 2010, geöffnet ist sie von Montag bis Sonntag 11-17 Uhr.

Arnika Fürgut

Gegen das Verlorengehen: LOCATE ME im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien Berlin

15. Juni 2010

Stadtplan, Straßenkarte, Ortsschilder: Wen interessierts. Entschuldigung, es ist das Jahr 2010, wir müssen lang nicht mehr vor die Tür gehen um verreisen zu können und seit Google Earth ist sogar der Blick in Nachbars Badezimmer ohne eigene physische Bewegung abseits des seltenen Klickens der Maus möglich. Die virtuelle Welt als Abbild der Wirklichkeit, bestehend aus 1/0-Folgen ist zur ernstzunehmenden Konkurrenz der Realität geworden. Und was passiert wenn beide aufeinander knallen? Wenn man sich plötzlich mit dem virtuellen System im realen System orientieren und organisieren muss? Oder noch schlimmer: Wenn man die Grenze der beiden Welten plötzlich nicht mehr findet, vor lauter Orientierungshilfen?

In Berlin Kreuzberg widmen Florina Limberg und Daniela Walz dem Thema der digitalen Orientierung bis Anfang August eine Ausstellung: LOCATE ME. Die Frage nach dem Standort, den eigenen Standpunkten und der Verantwortung des Ichs im urbanen Raum wird dort gestellt – und das nicht nur im digitalen Raum einer Stadt, in der schon manch einer verloren ging.

Arnika Fürgut

SHOW ME WHAT YOU GOT

15. Juni 2010

Eine Yacht im Hafen von St. Tropez, eine Ferienvilla in Californien oder vielleicht ein vergoldetes Pony für die Enkelin – all das könnte Peter Schaufler, ehemaliger Geschäftsführer und Senator der Firma Bitzer in Sindelfingen, kaufen und besitzen (…und besitzt es vielleicht auch). Und doch: Er sagt, er bleibt Schwabe. Er investiert in Kunst und baut sich still und heimlich eine ehemalige Lager- und Produktionsstätte im Industriegebiet Sindelfingen in einen Museumspalast um. Besser: Er lässt umbauen. Statt Stararchitekten wurden befreundete Stuttgarter beauftragt, denn “…das Schönste muss ja nicht immer Teuerste sein.”. Nicht nur diese sympathische Bodenhaftung und sein neu verliehenes Bundesverdienstkreuz lockten das sonnendeck in die noch unbetretenen heiligen Hallen des SCHAUWERKS. Wie es dort war, welche Künstler in Schauflers Sammlung vertreten sind und was das Ganze mit dem Weg in die Unendlichkeit zu tun hat, kann in der Juli/August Ausgabe nachgelesen werden.

Arnika Fürgut

Too smart for art? Beweisen!

16. März 2010

Achtung, der Sommer kommt. Zu dem versprochenen 20°C-Frühling am Freitag testet die sonnendeck-Redaktion mal wieder die Art-History-Skills ihrer Fangemeinschaft. Und die Helligkeit im Oberstübchen. Für Rätselgierige sei aber von vornherein klargestellt: Der Preis fällt aus. Wir fragen ja auch nicht danach, wieviele Werke hier von einer französisch-amerikanischen Indie-Emo-Hipster-Irgendwas-Band in drei Minuten präsentiert werden.

Sondern: Welches weltbewegende und überaus wichtige Bild der Kunstgeschichte fehlt hier?

Wir sind gespannt auf Vorschläge und grüßen ganz ohne too-cool-for-school-Angeberei.

Arnika Fürgut

Urbane Visionen im Kunstbezirk
Vom 12. März-19. Juni 2010

11. März 2010

Gestartet wird auf der Landebahn des Stuttgarter Flughafens aus hellem Teppich, als Fluchtpunkt zeigen sich gleich dahinter die Gleise des Bahnhofs. Mit dem urbanen Raum – hauptsächlich dem schwäbischen – und dem, was diesem gegenübersteht beschäftigen sich die 41 Werke der Urbanen Visionen Stuttgart, die es ab Freitag Abend, 12. März, im Kunstbezirk am Leonhardsplatz zu sehen gibt. Malerei, Fotografie und Plastik finden ihren Platz zwischen Videoarbeiten und Soundinstallationen – und alle schreien nach Stadt. Der abfotografierte Stuttgarter Bahnhofsboden liegt neben verschachtelten Ansichten des Großstadtdschungels inklusive Fernsehturm, dahinter ein Blick ins Weltall.

Besonders ideenreich präsentieren sich aber die Videos im eigens dafür eingerichteten Nebenraum-Kino: Künstlerin Menja Stevenson hat sich hier ein Kleid mit passender Handtasche aus dem Stoff der Polsterbezügen der Stuttgarter Busse genäht. Damit fährt sie geduldig ihre Wege ab, immer auf eine Reaktion der Mitfahrer wartend. Marco Schmitt hingegen krallt sich die Stuttgarter Zeitung im Zuge einer Bodybuildermaßnahme und verwandelt die Informationen an für ihn wichtigen Stadtstationen zu Muskeln. Großes Kino im Kontext des urbanen Stadtwahnsinns, klingt doch super.

Arnika Fürgut

Art is hard – aber herzlich

6. März 2010

Damien Hirst zieht den Kunstmarkt über den Tisch, Andreas Gursky verkauft seine Fotos für Millionen – da fragt sich der leidenschaftliche Kunstfreund schon, an welcher Stelle der Vermarktungskette die Liebe zur Kunst vergessen wurde. Die Poly Produzentengalerie Karlsruhe macht es sich seit 2006 zur Aufgabe, diese wieder in Erinnerung zu rufen: Bei der UND#5 wird unkonventionell und stolz präsentiert, getanzt, performt und natürlich auch gerne verkauft. Mehr…

Arnika Fürgut