Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Ausguck’

Urbane Visionen im Kunstbezirk vom 12. März-19. Juni

11. März 2010

Gestartet wird auf der Landebahn des Stuttgarter Flughafens aus hellem Teppich, als Fluchtpunkt zeigen sich gleich dahinter die Gleise des Bahnhofs. Mit dem urbanen Raum – hauptsächlich dem schwäbischen – und dem, was diesem gegenübersteht beschäftigen sich die 41 Werke der Urbanen Visionen Stuttgart, die es ab Freitag Abend, 12. März, im Kunstbezirk am Leonhardsplatz zu sehen gibt. Malerei, Fotografie und Plastik finden ihren Platz zwischen Videoarbeiten und Soundinstallationen – und alle schreien nach Stadt. Der abfotografierte Stuttgarter Bahnhofsboden liegt neben verschachtelten Ansichten des Großstadtdschungels inklusive Fernsehturm, dahinter ein Blick ins Weltall.

Besonders ideenreich präsentieren sich aber die Videos im eigens dafür eingerichteten Nebenraum-Kino: Künstlerin Menja Stevenson hat sich hier ein Kleid mit passender Handtasche aus dem Stoff der Polsterbezügen der Stuttgarter Busse genäht. Damit fährt sie geduldig ihre Wege ab, immer auf eine Reaktion der Mitfahrer wartend. Marco Schmitt hingegen krallt sich die Stuttgarter Zeitung im Zuge einer Bodybuildermaßnahme und verwandelt die Informationen an für ihn wichtigen Stadtstationen zu Muskeln. Großes Kino im Kontext des urbanen Stadtwahnsinns, klingt doch super.

Ausguck

Petersburg in Stuttgart vom 03. März-21. Mai

2. März 2010

Gut besucht und reichlich bestückt zeigte sich die Galerie Rainer Wehr zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung. Zum 30-jährigen Bestehen gibt es eine Petersburger Hängung mit künstlerischen Stichproben aus drei Jahrzehnten, zum Entdecken und Wiederentdecken.



Gezeigt werden:

Peter Amsler, Claudia Angelmaier, Muriel Angulo, Mona Ardeleanu, Pia von Aulock, Sabina Aurich, Ulrich Baier, Andreas Bär, Hans Baschang, Anke Bauer, Andreas Bauer, Herbert Baumann , Andreas Baumgärtel, Julia Baur, Jeanette Beck, Matthias Beckmann, Ruth Biller, Karl Bischop, Atle Bjorgum, Bettina Böhm, Stephanie Bollinger, Jens Braun, Tremezza von Brentano, Katja Brinkmann, Gerda Brodbeck, Martin Brodwolf, Anton Bruhin, Holger Bunk, Irene Cazar, Juan Carlos Chaparro, Karin Danner, Peter Dreher, Brigitte Dümling, Jörg Eberhard, Martin-Ulrich Ehret, Henrik Eiben, Tim Eitel, Ubbo Enninga, Sae Esashi, Hildegard Esslinger-Weiler, Maria-Therese Feist, Wolfgang Flad, Nancy Friedmann, Martin Fürbringer, Milena Geier, Rupprecht Geiger, Andrea Geiling, Emel Geris, Christine Gläser, K. O. Götz, Ilka Götz, Simon Götz, Alex Györfi, Markus Hallstein, Das Deutsche Handwerk, Simon Häske, Till Hausmann, Albert Hien, Volker Hildebrandt, Karin Hinterleitner, Lisa Hoever, Frank-David Hoffmann, Susanne Hofmann, Romane Holderried-Kaesdorf, Peter Holl, Petr Hrbek, Peter Ben Hübsch, Franziska Hufnagel, Andreas Ilg, Beate Jakob, Wolfram Janzer, Rolf Jörres, Humberto Junca, Rolf Jurzo, Julius Kaesdorf, Martin Kasper, Michael Keicher, Thomas Kesseler, Bernd Klausecker, Peter Kleemann, Beate Knapp, Peter Koch, Bettina Kohrs, Steffen Kugel, Claudia Kugler, Timo Kümmel, Joachim Kupke, István Laurer , Stefan Lausch, Vera Leutloff, Godehard Lietzow, Anna Löbner, Philip Loersch, Rupert Maier, Victoria Martini, Matija Medulin, Peter Mell, Alexej Meschtschanow, Svätopluk Mikyta, Georg Mrowetz, Michael Munding, Irene von Neuendorff, Wilhelm Neußer, Miriam Noppenberger, André Normann, Monika Nuber, Edith Oellers, Kazuko Okano, Hideyo Okuya, Christian Orendt, Ana-Patricia Palacios, Wieland Payer, Bernd Petri, Hans Pfrommer, Carolina Pinzón, Tim Plamper, Werner Pokorny, Hans-Peter Porzner, Thomas Raschke, Hartwig Reinboth, Matthias Reinhold, Brigitte Reisz, Karl-Manfred Rennertz, Klaus Richter, Thomas Riehle, Sebastian Rogler, Rosalie Nadin Rüfenacht, Sebastian Ruhland, Ulrike Rumpf, Yoshihisa Sankawa, Bianca Schelling, Martin Schick, Karl Schleinkofer, Karin Schlicht, Dierk Schmidt, Michael Schnabel, Thomas Schuster, Peter Schwarz , Paul Schwer, Eva Seelbach, Nina Seniuk, Min Jeong Seo, Abi Shek, Friedrich Sieber, Klaus Simon, Simone Simon, Annegret Spiegl, Verena Stachowitz, Angelika Steinhilper, Robert Steng, Klaudia Stoll, Armin Subke, Masanori Suzuki, Ulrike Taprogge, Nina Thurner , Klaus-Martin Treder, Kristof Trendel, Lun Tuchnowski, Jochen Twelker, Michael Vogt, Jaqueline Wachall, Patricia Waller, Martin Wehmer, Rainer Wehr, Rudi Weiss, Pablo Wendel, Thilo Westermann, Georg Winter, Bernadette Wolbring, Nouchka Wolf, Tobias Zaft, Terezka Zimmer.

(Also, einen Steffen Kugel hab ich nicht gesehen, aber irgendwann sind die Wände ja auch voll.)

Ausguck

Nachwuchs im Fokus

24. Februar 2010

Unverhofft kommt oft: Mit ihrer Mutterschaft setzt sich Judith Lenz noch bis zum 7. März im gez. | raum für urheber im Stuttgarter Rotlichtviertel auseinander. “Ich behaupte mal, dass ich mich immer mit dem beschäftige, was so direkt um mich und mit mir passiert, in dem Fall hab ich einfach nur ein Kind bekommen. Das Ganze ist uns so passiert und bedarf dadurch vielleicht nochmals mehr der Auseinandersetzung….”

Ihre Radierungen pendeln dabei humorvoll, sarkastisch und poetisch zwischen Begeisterung und Erschrecken über die neue Situation und geben einen ungewohnt intimen Einblick in ihre Gedankenwelt. Bleibt zu hoffen, dass die Kunst in Zukunft nicht zu kurz kommt.

Ausguck

Kampfkuscheln im WKV

22. Februar 2010

Eher an ein Sperrmülllager als an eine Kunstausstellung erinnert die unkuratierte Show der Künstlermitglieder des Württembergischen Kunstvereins – unkuratiert im schlimmsten Sinne des Wortes. Den theorieverliebten Direktoren Dressler und Christ dürften die Tränen in den Augen gestanden haben angesichts der aufeinandergetürmten Grausamkeiten.
Kunst und Gesellschaft sollen hier reflektiert und diskutiert werden. Es gibt eine Diskursarena und zahlreiche Vorträge, Gespräche und Performances. Stuttgart 21 wird ebenso auf- und angegriffen wie „Konsum- und Kapitalismuskritik, alternative Lebensmodelle, Formen der Partizipation oder Kunst als demokratischer Handlungsraum“. Mal so richtig Kampfkuscheln und Baden im abgestandenen Wasser gemeinsamer Überzeugungen.

Nachtrag: Georg Leisten hat es gefallen: ” … doch wer ein bisschen Entdeckerlaune mitbringt, wird diese Schau lieben wie kaum eine ihrer Vorgängerinnen. Sie ist politisches Bekenntnis und ironische Selbstreflexion, gibt sich trotzig und rotzig, aber auch kampflustig engagiert und thematisch beziehungsreich.” (Stuttgarter Zeitung vom 23.02.)

Ausguck

Karlsruhe legt vor

17. Februar 2010

Das Regierungspräsidium Karlsruhe startet im Rahmen seines Kunstkonzepts
„f o r u m k u n s t“ den Künstlerförderwettbewerb 2010.

Nachdem vor zwei Jahren Nachwuchskünstler angesprochen waren, richtet sich der diesjährige Wettbewerb an Künstler, die mindestens 45 Jahre alt sind. Der Wettbewerb gilt dem bisherigen künstlerischen Schaffen, nicht einer einzelnen Arbeit. Er umfasst die Bereiche Malerei, Grafik, Fotografie, Plastik und Skulptur. Freischaffende Künstlerinnen und Künstler mit abgeschlossener Hochschulausbildung, die im Regierungsbezirk Karlsruhe wohnen oder arbeiten, können sich mit bis zu zehn Arbeiten bewerben. Das Regierungspräsidium nimmt die Bewerbungen ab sofort entgegen.

Eine Fachjury wählt aus den eingereichten Bewerbungen fünf Künstlerinnen und Künstler aus, denen die Möglichkeit geboten wird, ihre Werke bei einer Ausstellung im Regierungspräsidium Ende des Jahres zu präsentieren. Für Ankäufe aus dem Kreis dieser Objekte wird das Regierungspräsidium etwa 30.000 Euro ausgeben. Auch ein Ausstellungskatalog, in dem sich die Künstler und ihre Arbeiten darstellen können, ist wieder vorgesehen.

Die Bewerbungen sind zu richten an:

Regierungspräsidium Karlsruhe, f o r u m k u n s t 2010

Referat 23, Markgrafenstraße 46, 76133 Karlsruhe

Einsendeschluss der Bewerbungen ist der 30. April 2010.

Ansprechpartnerinnen bei Rückfragen:

Bettina Rupp, Tel.: 0721 926-7682 (Montag, Donnerstagvormittag, Freitag)

E-Mail: bettina.rupp@rpk.bwl.de

oder Christine Mahnke, Tel. 0721 926-7650,

E-Mail: christine.mahnke@rpk.bwl.de

Der Ausschreibungstext sowie die Bewerbungsunterlagen können auf der Startseite der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe unter

www.rp-karlsruhe.de heruntergeladen werden.

Ausguck, In eigener Sache

Für den kleinen Geldbeutel

17. Februar 2010

Mark Räder: Hansa Viertel, 003 (Grophius), 2005

Kleinvieh macht auch Mist, denkt sich Galerist Sandro Parrotta und zeigt unter dem Titel Fröhliche Gesellschaft Editionen des Hauses und des Centre d’édition contemporaine, Genf. Den C-print auf Alu-Dibond Hansa Viertel, 003 (Grophius), 2005 von Mark Räder gibt es für 480 Euro, der Flokati-Staubwedel in Pink von Simone Westerwinter wird für 100 Euro angeboten. Arbeiten von rund vierzig Künstlern sind im Angebot. Nur schauen ist aber auch erlaubt.

Ausguck

Impro im Kunstbezirk

16. Februar 2010

Elektrominibarklingelton

grenzland_h_2

Gestern Abend öffnete im Kunstbezirk das Tanz- und Musiktheaterlabor Grenzland H seine Pforten. Der vom Stuttgarter Choreografen Fabian Chyle initiierte Workshop bietet eine Woche lang Performances, Improvisationen und Musik. Neben den Abendveranstaltungen gibt es die Möglichkeit, aktiv am Labor teilzunehmen oder die täglichen offenen Proben zu besuchen. Für Freunde der Bildenden Kunst dürfte der kommende Samstag interessant sein, wenn Holger Bunk von der Kunstakademie zur Performance Y zum Thema „Die Bühne der unerfüllten Wünsche“ spricht.

Ausguck

Living Particles in der Oberwelt

15. Februar 2010

Ralf Schreiber - Living Particles

So richtig viel Bewegung oder minimalistische Soundeffekte konnten wir bei der Living Particles-Installation von Ralf Schreiber in der Oberwelt nicht ausmachen. Allerdings sind die Objekte auch nicht für lärmige Vernissagen, sondern eher für eine meditative Versenkung in ruhiger Umgebung geeignet. Ein erneuter Besuch scheint angeraten. Immerhin wurde Georg Leisten von der Stuttgarter Zeitung gesichtet. Ein bisschen Presse kann nicht schaden.

Ausguck

Diplomausstellungen in der Kunstakademie

12. Februar 2010

Karolina Pyrcik »Fötus – Ein Sexualerkundungsatlas«

Noch bis Sonntag zeigen an der Kunstakademie Stuttgart die aktuellen Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge Architektur, Industrial Design, Kommunikationsdesign und Textilgestaltung ihre Abschlussarbeiten. Ausnehmend gut gefällt uns die Arbeit Fötus – Ein Sexualerkundungsatlas von Karolina Pyrcik. Die Texte sind so lala, aber die Grafik – super!

Ausguck

Grenzland H – Das Tanz/ Musiktheaterlabor 15. – 20.02. im Kunstbezirk

10. Februar 2010

labor-2

Im Tanz/Musiktheaterlabor Grenzland H erforschen die Tänzer/Choreographen Fabian Chyle, Renate Graziadei, Zufit Simon und Eline Tan zusammen mit den Komponisten Mark Lorenz Kysela, Alexander Grebtschenko, Michael Maierhof und Steffen Moddrow vom 15. bis 20. Februar im Kunstbezirk im Gustav-Siegle-Haus die Verbindung zwischen Körper, Raum und Musik. Tagsüber forschen sie und benutzen dazu als Assoziationsmaterial Handlungsanweisungen aus den Werken von Peter Handke. Abends präsentieren sie Ihre Forschungsergebnisse in Tanz/Musiktheaterveranstaltungen der Öffentlichkeit. Der Malereiprofessor Holger Bunk, die chilenische Philosophin Mónica Alarcón und die Tanzjournalistin Leonore Welzin vertiefen mit theoretischen Impulsen das Thema.

Ausguck

Solarsoundmodulbasteln mit Ralf Schreiber in der Oberwelt

9. Februar 2010

Solarsoundmodule

Anlässlich der Ausstellung Musik für Raupen / music for caterpillars (langsame Version) von Ralf Schreiber in der Oberwelt, gibt es am Samstag, den 13. Februar von 16-18 Uhr Kunst zum Mitmachen.
Schreiber arbeitet mit Solarzellen, Motoren, elektrischen Bauteilen und Kleinslautsprechern, die zu kleinen Robotern verlötet werden, die zirpend, zwitschernd und vibrierend miteinander kommunizieren und interagieren. Ganze Ausstellungsräume füllt der Künstler mit seinen “Living Particles”.
Für fünf Euro Materialkosten darf sich am Samstag auch der elektronisch unversierte Oberweltbesucher an der Konstruktion eines individuellen Moduls versuchen.

Ausguck

Apropos Lokalpatriotismus

8. Februar 2010

Art Parade in Stuttgart
Mit revolutionärem Schwung startete im Herbst 2009 das Internet-Forum e-stuttgart, mit dem Ziel, die Diskussion unter Stuttgarts Kulturschaffenden bezüglich der bevorstehenden Kürzungen im Kulturbereich zu organisieren und zu forcieren. Tatsächlich rotierte die Meinungsmaschine zwei Monate ganz ordentlich, sogar die Direktoren des Württembergischen Kunstvereins schrieben fleißig mit. Der Aktionismus gipfelte am 19. November in der legendären Art Parade mit abschließender Übergabe des „Stuttgarter Appells“ an OB Schuster.

Am 18. Dezember verabschiedete der Gemeinderat den Doppelhaushalt 2010/2011 und die Kürzungen im Kulturbereich, vor allem für die kulturellen „Leuchttürme“ WKV und Künstlerhaus, wurden abgemildert oder aufgeschoben. Der letzte Eintrag auf e-stuttgart datiert auf den 17. Dezember, danach geschah auf der hoffnungsfrohen Webseite nichts mehr.

Das kulturpolitische Forum wurde von einem Tag auf den anderen ad acta gelegt. Keine Analyse der Kürzungen, kein virtuelles Schulterklopfen, kein Ausdruck unendlichen Glücks. Die Pfründe sind gesichert, zurück zum Alltag. Keine Rede mehr vom finalen Untergang der Stuttgarter Kulturlandschaft, statt dessen lieber gar keine Rede, kein Resümee, kein Rückblick, keine Statements, kein gar nichts. Als wäre die kulturelle Welt an diesem Tag im Dezember tatsächlich erloschen, enden alle Auseinandersetzungen auf wundersame Weise am 18. Dezember.

Mittlerweile finden sich wieder ein paar gelangweilte Wortbeiträge auf e-stuttgart, die den finalen Tod der Seite feststellen und trotz scheinbarem Schweigegelübde der Kulturinstitutionen findet am Dienstag, 23. Februar 2010, 19:00 Uhr ein Gespräch über die Stuttgarter Kulturpolitik mit Andreas Mayer-Brennenstuhl, Hans D. Christ und anderen statt. Schaun wir mal.

Ausguck

Performance-Wochenende im Osten

3. Februar 2010

district_ost
Distrikt_Ost und das Performancehotel starten mit einem Performance-Wochenende ins neue Jahr. Am 5. und 6. Februar wird einiges geboten, unter anderem ein koreanischer Ritualtanz, der ursprünglich zur Totenbeschwichtigung aufgeführt wurde, um Unglück zu vermeiden. Außerdem bietet Georg Winter am Samstag von 17-20 Uhr wegen der großen Nachfrage wieder eine Performanceberatung an.

Ausguck

Fotografien von Gerda Taro im Kunstmuseum Stuttgart

2. Februar 2010

Robert Capa, Gerda Taro mit republikanischem Soldaten, Córdoba-Front, Spanien 1936, Gelatineabzug © Cornell Capa / International Center of Photography

Knapp ein Jahr hatte die 1910 in Stuttgart unter dem Namen Gerta Pohorylle geborene Gerda Taro Zeit, im Spanischen Bürgerkrieg ihre Fotos zu machen, bevor ein republikanischer Panzer versehentlich ihr Auto überrollte. Mit ihrem Freund und Fotopartner André Friedmann, aka Robert Capa, begleitete sie den Kampf gegen Francos Faschisten zwischen August 1936 und Juli 1937. Die beiden schlugen mit ihren Fotos ein neues Kapitel der Kriegsfotografie auf und standen bald an der ideologischen Front des ersten Medienkriegs der Geschichte, genährt von dem wachsenden Sensationsbedürfnis der Tages- und Illustriertenpresse. Dem tränenreichen Begräbnis Taros als verklärte Ikone des linken, antifaschistischen Kampfes, folgte das sofortige Verschwinden ihres Werkes in der Versenkung. Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt nun als einzige Station in Deutschland eine vom International Center of Photography in New York konzipierte Retrospektive. Weitere Berichte zur Ausstellung und zur Person finden sich hier, hier und hier.

Ausguck

Bettina Lockemann im Württembergischen Kunstverein

29. Januar 2010

„Das Ziel ist immer, bestimmte Dinge auf den Punkt zu bringen“, sagt die Kölner Künstlerin Bettina Lockemann. Und das, obwohl ihre meist schwarzweiß gehaltenen Fotografien alles andere abbilden als klare Aussagen. Es sind urbane, menschenleere Ansichten mit nur wenigen geographischen Anhaltspunkten, banale Webcam-Fotografien und ruhige Videoinstallationen. Lockemann beschreibt Grenzbezirke, wie den kleinen Raum zwischen einer Frau und einem vorbeirauschenden Bus. Automatisch beginnt das ‚Berlin-Paris-oder-New-York-Suchspiel’. Doch Lockemann schüttelt den Kopf und beteuert, darum ginge es nicht in ihren ‚Kontakzonen’. Worum es ihr geht, steht in der Märzausgabe des sonnendecks.

Bettina Lockemanns “Kontaktzonen” sind noch bis 11. April im Württembergischen Kunstverein zu sehen.

Bettina Lockemann: Fringes of Utopia, 2001/02

Bettina Lockemann: Contact Zone, 2008

Ausguck

Vernissage Post-Oil City in der ifa-Galerie

29. Januar 2010

Ein extrem dichtes Informationsnetz bietet die gestern eröffnete Ausstellung Post-Oil City in der ifa-Galerie Stuttgart. Mal kurz durchlaufen und dann ins Café Planie wird nicht funktionieren. Lieber mehr Zeit mitbringen, es lohnt sich. Gaststar des Abends war der niederländische Architekt Raoul Bunschoten, dessen Büro CHORA das riesige Modell Taiwan-Strait-Inkubator beisteuerte. Ein Interview mit Kurator Christian Berkes findet sich in der aktuellen Ausgabe des sonnendecks.

Ausstellungsansicht

Architekt Raoul Bunschoten

Taiwan-Strait-Inkubator

Ausguck

Kunst im Rathaus

28. Januar 2010

Katrin Hoffmann, o.T., 300×250 cm, Öl auf Leinwand, 2009

Julia Wittmann: Treibgut, 120×145 cm, Acryl auf Leinwand, 2009
Im Rathaus läuft bis 26. März die “Ausstellung der Staatsexamina im Fach Kunsterziehung”. Das klingt nach Masse Mensch, ist aber recht übersichtlich, da nur zwei Künstlerinnen ausstellen: Katrin Hoffmann und Julia Wittmann. Die Arbeiten von Wittmann sagen mir nüscht, die drei von Hoffmann sind ok. Einen Insider-Joke bietet ihr Werk o.T., 300×250, Öl auf Leinwand, denn das Bild, das auf dem Bild nicht mehr zu sehen ist, hing letztes Jahr beim Rundgang an genau der Stelle, die im Bild dargestellt ist. Nun hängt das Bild ohne Bild im Rathaus und ist noch zu haben für geschenkte 2900 Dinger.

Ausguck

Julia Mueller – Segments in der Galerie ARTARY

27. Januar 2010

Julia Mueller
Die in Wien lebende Julia Mueller zerlegt muskulöse Männerkörper aus einschlägigen Superhelden-Comics in ihre Einzelteile und montiert sie als malerische Collage neu zusammen. Mueller entzieht dabei den Comicvorlagen das erzählerische Element, sodass die entstandenen Bilder eher an Dr. Frankensteins Ersatzteillager oder an Schweinehälften im Kühlhaus erinnern als an Abenteuer und Furchtlosigkeit. Jenseits ihrer heroischen Verklärung im Comic bleibt den Muskelbergen nur ihre grobe, unsensible Kraft, die infrage gestellt werden kann.

Galerie ARTARY bis zum 12. Februar 2010

Ausguck

Auweia!

13. Januar 2010

Illu von Jan-Hendrik Pelz

Anfang Februar fiebert ganz Stuttgart dem neuen sonnendeck entgegen. “Phrasen in der Kunst” wird das Pool-Thema der Ausgabe sein und da passt ein bevorstehender Vortrag an der Aka Stuttgart doch wie die Faust aufs Auge. Rolf Bier, Professor für Allgemeine künstlerische Ausbildung, hat den Berliner Philosophen und Autor Marcus Steinweg an die Akademie geladen.

Zum Thema ‘Was ist ein Kunstwerk’ sagt dieser: ‘In der zeitgenössischen Kunst gibt es eine Tendenz, Kunst auf die Befragung von Kunst zu reduzieren. Was ist das Kunstwerk in dieser neueren Sequenz? Es wird zum Schauplatz der Reflexion auf seine Bedingungen.
Ich insistiere gegen diese Auffassung, die das Kunstwerk als negatives Dokument seiner selbst entschärft … Das Kunstwerk ist keine Tatsache unter Tatsachen, weil es eine gewisse Suspension seiner historischen, politischen, institutionellen, kunsthistorischen und ästhetischen Bedingungen artikuliert.’

Geht doch runter wie Öl.

***
Montag, 18. Januar um 19 Uhr
Cereals 7: Marcus Steinweg, Berlin, ‘Was ist ein Kunstwerk’
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Bühnenraum 310 Altbau Am Weißenhof 1
70191 Stuttgart
Der Eintritt ist frei.
***

Ausguck

Debütausstellung Xianwei Zhu an der Kunstakademie Stuttgart

12. Januar 2010

Ganz an den Rand des Bildes „Searching for No Heaven“ setzte der 1971 in Qingdao/China geborene Xianwei Zhu einen kleinen Affen, der sich melancholisch das Remmidemmi in der Bildmitte betrachtet. Liest der Betrachter den Affen als klassische Reflexionsfigur für den die Natur „nachäffenden“ Künstler, so scheint sich auch Xianwei nicht ganz wohl zu fühlen in der lärmigen Gegenwart. Schon sein früheres malerisches Alter Ego, ein kugelköpfiger Knirps, stand immer etwas verloren im leeren Bildraum. Die Welt, das waren stets die Anderen, die jenseits des Keilrahmens bleiben sollten. Immerhin greift der Künstler nun in die Vollen, um sich den menschlichen Affenfelsen in seiner schönsten Verwirrtheit auszumalen, inklusive dem zähnefletschenden Alphatier als Sinnbild gesellschaftlicher Dominanz.
Trotzdem findet sich in den Bildern Xianwei Zhus stets ein ruhiger, abgelegener Felsen: Man muss ja nicht gleich alles mitmachen.

Debütausstellung Xianwei Zhu in der Alten Aula der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Noch bis 24.01.2010.

Ausguck