Der Sommer in Karlsruhe
Die sonnendeck-Redaktion mag das…
Eine Spitze, die sich in den Himmel bohrt. Ein rotes Tuch, das sich aufbäumt. Eine Reliefbühne mit geometrischen Kulissenteilen, die scheinbar beweglich sich zur Mitte und zurück schieben. Ein Stein, der lagert, der sowohl Natur als auch Kunst ist. In der Ausstellung “Duo” von Nicola Stäglich und Raimer Jochims sind die Werke geprägt von ihren innewohnenden Bewegungen, was die freie Form begünstigt, mit der beide arbeiten. Getroffen haben sich die beiden Künstler an der Städelschule in Frankfurt, wo Nicola Stäglich noch für eine kurze Zeit bei Jochims studiert hat, geblieben sind Anregungen, die sie in ihre eigenen Erfahrungen einarbeitet.
Zu sehen ist die Ausstellung “Duo” vom 24. September bis zum 19. November in der Galerie Vondoering Contemporary in Schwäbisch Hall. Eröffnet wird sie am 23. September ab 18 Uhr.
Nach der Pop Art Mel Ramos’ im Winter und Karin Kneffels Malereien im Frühling, hat die Kunsthalle Tübingen im Sommer und Herbst ihre Räume der Fotografie geöffnet. Statt Düsseldorfer Becher-Schule und Namen wie Gursky, Ruff oder Höfer gibt es hier einen Autodidakten zu sehen, der sich in den 80er Jahren durch die Berliner Kunstszene experimentierte und trotzdem beim Europäischen Preis für Fotografie in Frankfurt am Main ankam.
Helikopter, ein Bündel brauner Bananen, eine Rote-Beete-Knolle, ein kopfloses Reiterstandbild und ein Eselskopf: Florschuetz schert sich bei der Anordnung seiner Bilder nicht um inhaltliche Stringenz. Seine Werke erzählen von Architektur und deren Umgebung; von Schärfe, Unschärfe und Spiegelung. Die Fotografien sind großformatig aufgezogen, die Kunsthalle Tübingen zeigt insgesamt 95 davon. Geöffnet ist die Ausstellung vom 17. Juli bis zum 26. September, Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.
Ein Schlossherr mit einer Schwäche für Kunst findet eine ehemalige Wasserburg im Ostalbkreis von Schwäbisch-Gmünd. Zusammen mit jungen Kuratoren aus dem Süddeutschen Raum entsteht aus dieser Kombination 2005 zum ersten Mal die LEINZELL OPEN: Eine Kunstschau junger Kunstakademieabsolventen und etablierter Künstler in den steinigen Mauern des Leinzeller Schlosses. Für die Schau in diesem Sommer konnten die Kuratoren 25 Künstler für die LEINZELL OPEN gewinnen, darunter Rainer Ganahl, die Künstlergruppe der Filderbahnfreunde Möhringen und die Berliner Fotografin Susa Templin. Werke von Wolf Pehlke, der vor kurzem erst für den Oberrheinischen Kunstpreis ausgesucht wurde, werden ebenfalls zu sehen sein.
Die junge Generation der frischen Akademieabsolventen wird durch Jan Löchte, der gerade erst seine Debütausstellung im Neubau der Stuttgarter Kunstakademie zeigte, Robert Matthes und Michael Stolz vertreten. Internationale Gäste sind vor allem der poetisch arbeitende New Yorker Künstler Alex Jovanovich und der israelische Video-Künstler Gilad Ratman.
Die Räumlichkeiten des Schlosses werden bis zum 8. August jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr und nach Absprache geöffnet sein.
Eine Yacht im Hafen von St. Tropez, eine Ferienvilla in Californien oder vielleicht ein vergoldetes Pony für die Enkelin – all das könnte Peter Schaufler, ehemaliger Geschäftsführer und Senator der Firma Bitzer in Sindelfingen, kaufen und besitzen (…und besitzt es vielleicht auch). Und doch: Er sagt, er bleibt Schwabe. Er investiert in Kunst und baut sich still und heimlich eine ehemalige Lager- und Produktionsstätte im Industriegebiet Sindelfingen in einen Museumspalast um. Besser: Er lässt umbauen. Statt Stararchitekten wurden befreundete Stuttgarter beauftragt, denn “…das Schönste muss ja nicht immer Teuerste sein.”. Nicht nur diese sympathische Bodenhaftung und sein neu verliehenes Bundesverdienstkreuz lockten das sonnendeck in die noch unbetretenen heiligen Hallen des SCHAUWERKS. Wie es dort war, welche Künstler in Schauflers Sammlung vertreten sind und was das Ganze mit dem Weg in die Unendlichkeit zu tun hat, kann in der Juli/August Ausgabe nachgelesen werden.

Die Kunsthalle Wien hat ein Herz für Leecher und stellt in ihrer Mediazone seit letzter Woche 430 Audio- und Videofiles zum Download bereit. Neben den Videos, Kunstgesprächen und Interviews gibt es für umme sämtliche seit 2001 erschienenen Kataloge als PDF. Schöne Sache. Das sonnendeck empfiehlt neben Punk und Porno auch und besonders die Werke aus der Sammlung von Dakis Joannou.

Mit dem Ausbau des Straßennetzes während der Edo-Zeit (1603-1867) wurde es auch für den Japaner von nebenan leichter, auf Schusters Rappen das Land zu entdecken. Wer nicht dienstlich unterwegs war, gab als Grund für die Reise das eigene Seelenheil an. Für eine Pilgerreise stellte die Tempel- und Schreinverwaltung gerne die nötigen Papiere aus und durch ausreichende Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Strecke mussten die Reisenden auch nicht mehr um Leib und Leben fürchten.

Der Tōkaidō („östlicher Seeweg“) wurde in der Edo-Zeit zur wichtigsten Handelsstraße innerhalb Japans und verband Edo (das heutige Tōkyō) mit Kyōto. Die zunehmende Reisetätigkeit rief nicht nur fliegende Händler auf den Plan, sondern auch Kartographen, Schriftsteller, Maler und Zeichner. Zahlreiche Bildserien der 53 Stationen des Tōkaidō wurden veröffentlicht und fanden reißenden Absatz. Die farbigen Holzdrucke funktionierten für die begeisterten Käufer wie ein illustrierter Reiseführer, für den heutigen Betrachter sind die Hochdrucke “einzigartige Kaleidoskope nicht nur der japanischen Landschaft, sondern gleichzeitig auch des Edo-zeitlichen Lebens”. (Susanne Germann)

In der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen sind neben zahlreichen anderen Drucken der Edo-Zeit auch die Tōkaidō-Bildserien der ukiyo-e Ausnahmekünstler Andō Hiroshige (1797–1858) und Katsushika Hokusai (1760–1849) zu sehen. Ein Besuch lohnt sich. Die Holzdrucke haben nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

Ein bisschen Interesse für künstlerische Drucktechniken sollte der Betrachter schon mitbringen, um die Ausstellung Schwarze Kunst – Geheimnis, Faszination und Sinnlichkeit einer Drucktechnik genießen zu können. Mit Schwarzer Kunst ist das Mezzotintoverfahren gemeint, das im 17. Jahrhundert entwickelt wurde und sich, anders als etwa der Holzschnitt oder der Kupferstich, sogar mit einem namentlich bekannten Erfinder schmücken kann. Der Adlige Ludwig von Siegen hatte 1642 die zündende Idee, eine Kupferplatte vor der weiteren Bearbeitung komplett aufzurauen – zumindest datiert das erste bekannte Blatt, ein Porträt der Landgräfin Elisabeth von Hessen-Kassel, aus diesem Jahr. Diese Granierung wurde am Anfang mit Zacken- oder Spornrädchen angelegt, die in verschiedenen Richtungen über die Platte geführt wurden. Ein ziemlich mühseliger Vorgang, der je nach Größe der Platte mehrere Tage bis Wochen in Anspruch nehmen konnte, bis diese möglichst vollständig und vor allem gleichmäßig aufgeraut war.
Ohne weitere Veränderungen würde die Platte eine komplett schwarze Fläche drucken. Durch Glättung des Rasters kann der Künstler nun weiche, malerische Effekte mit vielen Zwischentönen herausarbeiten; deshalb wird die Technik auch als Schabkunst bezeichnet. Es wird aus dem Dunkeln ins Helle gearbeitet. Beim Kupferstich oder der Radierung müssen Flächen, die im Druck dunkel erscheinen sollten, schraffiert oder gepunktet werden. Hier arbeitet der Stecher vom Hellen ins Dunkle.

Standen am Anfang überwiegend Porträtbilder, erkannten die experimentierfreudigen Künstler schnell, dass sich die Schwarze Kunst auch prima für die Reproduktion von Gemälden eignete. Nach dem Export der Technik nach England durch den adligen Maler Prinz Ruprecht von der Pfalz erreichte das Mezzotinto dort als English manner im 18. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Beliebtheit.
Wer intensiver in die Materie einsteigen will, dem sei der umfangreiche Katalog empfohlen, der zum Standardwerk für Tiefdruck-Freaks avancieren dürfte. Die zentralen Textbeiträge stammen vom Künstlerehepaar Martina AltSchäfer und Bernd Schäfer, das in jahrelangem Engagement Geschichte und Technik des Mezzotintos aufarbeitete.
Die Städtische Galerie Albstadt zeigt die Entwicklung der Schabkunst von den Anfängen bis zur Gegenwart, denn auch zeitgenössische Künstler haben sich in der Technik erfolgreich ausprobiert. Hier zeigte sich die graphische Sammlung der Galerie mal wieder als ergiebige Fundgrube. Arbeiten von Martina AltSchäfer, Wolfgang Gäfken, Alfred Hrdlicka und anderen zeigen, was man alles mit Schaber und Polierstahl anstellen kann.

Zur Europäischen Nacht der Museen am 15. Mai findet ab 18 Uhr ein Künstlergespräch an der Tiefdruckpresse mit Martina AltSchäfer, Udo Claaßen, Wolfgang Gäfgen und Bernd Schäfer statt und zum Internationalen Museumstag am 16. Mai ist der Eintritt frei.