Tod eines Kritzlers

6. Juli 2011

Gestern ist im Alter von 83 Jahren der us-amerikanische Künstler Cy Twombly gestorben. Der seit 1957 in Rom Ansässige hat wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler das Klecksen und Kritzeln zu seinem Markenzeichen gemacht und sah sich daher Zeit seines Lebens den Angriffen der “das kann ich auch/das ist doch keine Kunst”-Fraktion ausgesetzt. Twombly hat wie ein Magnet alle Ressentiments, die eine formkonservative Bürgergesellschaft gegenüber expressionistischen Neuströmungen pflegt, auf sich gezogen. Er war ein Märtyrer. Geboren im US-Staat Virginia, galt seine Liebe gleichwohl (oder folgerichtig) dem Alten Europa – dem deutschen Expressionismus und dem griechisch-römischen Kulturerbe. Nach langen Reisen mit Freund Robert Rauschenberg durch Nordafrika und Europa ließ sich Cy 1957 in Rom nieder, dem Gravitätszentrum der europäischen Antike. Als seine Generation schon längst Riesenerfolge feierte, blieben bei Twombly die Schecks aus, die Konten leer. Er war das traurige Entlein unter divenhaften Schwänen und polternden Pfauen. Erst in den letzten Jahren erhielt der Stoiker gewisse marktechnische Anerkennung und verkaufte oberhalb der 5-Mio-$-Marke. Für sein letztes Werk “The Ceiling” (2010) - die Übermalung von 400 qm Deckenfläche im Louvre zu Paris – wählte Cy die Farbe der Unendlichkeit, Blau, und lockerte mit gefüllten Kreisen (Planeten?) in Weiß und Ocker auf. Die Randbereiche der Decke sind mit den Namen antiker Baumeister in griechischen Schriftzeichen bedeckt, die die Gesamtwirkung ein wenig ins ikonenhafte, archaisch-religiöse rücken. Für diese Arbeit wurde der abstrakte Expressionist Twombly zum Ritter der französischen Ehrenlegion geschlagen, man kann sich seine Genugtuung lebhaft vorstellen – endlich war er (alter) Europäer. Gestern, nun, hat ihn der Krebs dahingerafft. Er starb - mit Blick aufs Meer - im Zentrum (s)einer untergegangenen Welt, in Rom. R.I.P.

Hansjörg Fröhlich

was soll die sonne auch sonst tun?

29. Juni 2011

Alt und Jung vereint – Bewegungsstudien in einem fensterlosen Raum: CARIBOUs “Sun”

 

she would rather “leave the sun for the rain”:

 

und wieder liegen die schatten der ferienflieger wie hühneraugenpflaster auf der stadt:

und huschen benzinkäfer über die straßen:

BONUS:

eine kurze geschichte der raumfahrt (und der hutmode):

unbedingt im vollbild-modus anschauen

Hansjörg Fröhlich

Gefährlicher Darmkeim

8. Juni 2011

Ehec-Gurke in Magdeburg entdeckt

 

 

Gurke, Wurst, Banane – alles egal:

 

Hansjörg Fröhlich

Houellebecq im Mozartsaal 07042011

8. April 2011

er kam ohne hund, hielt seine kippe aber immer noch in dieser unvergleichlichen art

lesung war gut, er hat immer noch diesen belegten ton und den mäandernden sprachfluss.

das frage-antwortspiel hat er gekonnt sabotiert und dafür weitere stellen aus seinen buch gelesen und kommentiert.

publikum war entäuschend, keiner der leute die ich erwartet habe waren da, keiner von den kunstfuzzies, obwohl die hauptfigur des romans ein künstler ist und viele dialoge darin von kunst und ihren (un)möglichkeiten handeln. ein künstlerroman, ein krimi und ein abgesang auf europa ist das. noch vor ende der veranstaltung verlassen gut ein viertel des publikums den mozartsaal. scheiss europäer.

tant pis

Hansjörg Fröhlich

Das Windspiel im Sakko – ein Rückblick

4. April 2011

Im Mai 2010 veröffentlichte das sonnendeck folgenden Artikel, den wir aus gegebenem Anlass hier nochmals wiedergeben:

In der Mitte ist es am schönsten

Es ist immer hart mit der Wahrheit zu leben, vor allem wenn man sich am Gipfel wähnte. Guido Westerwelle hat alles gegeben und noch viel mehr genommen, um seine Wunschkoalition, seine politische Traumehe zu schließen. Er hat seine Partei, die FDP, so lange umgeformt, neupositioniert und runter destilliert, bis von der Partei nichts mehr übrig war. Die FDP ist heute nur noch eine umgangssprachliche Bezeichnung für IHN, Westerwelle. Das Programm der neoliberalen Partei heißt: Hauptsache Guido. Die Feinde der FDP sind die Feinde ihres Bundesvorsitzenden – selbständig denkende Parteimitglieder, auch Mandatsträger, wurden vom 15%-Guido zur puren Staffage reduziert. Rainer Brüderle, ein Silberrücken der Partei, wurde mit dem Wirtschaftministerium abgespeist und gibt seither Ruhe, Dirk Niebel hat Westerwelle an der Spitze des Entwicklungsministeriums positioniert, um den Zugriff der Industrie und der Bundeswehr auf den Etat des Ressorts zu sichern. Frohgemut, umgeben von einer Entourage aus Wirtschaftsvertretern und anderen Lobbyisten, reist Guido als Außenminister durch die Welt und lässt alle wissen, wie wichtig und selbstgerecht er ist. Wenn er in Paris nächtigt, lässt er seine Hemden in London waschen und bügeln, das macht ihn etwas unberechenbar für seine EU-Kollegen, daher eilt ihm der Ruf der Unstetheit voraus, doch das stört ihn nicht, denn lustig ist das Vagabundenleben.

Nur ein Laster

Bis vor kurzem sah er sich an der Spitze der Welt, sah sich als größter lebender Organismus der Erde, bis ihm ein Parteifreund steckte, dass der größte lebende Organismus der Welt das Great Barrier Reef ist. Westerwelle hat keine Laster außer dem einen, immer an der Macht, immer in der Mitte und immer an der Spitze zu sein. In der Mitte ist es am schönsten, klar, aber die Mitte hat keine Spitze. Dieses Laster ist ihm wichtiger als seine Freunde, wie er in den Koalitionsverhandlungen Ende letzten Jahres eindrucksvoll bewiesen hat. Sein Stil hat eine neue Form des Moralisierens in der deutschen Politik etabliert. Eine Strebermoral: Ich bin ohne Schuld, meine Absichten sind koscher und eure Angriffe sind der hämische Versuch mich mit unlauteren Mitteln unterzubuttern. Alles was nicht seinen Zielen dient, was nicht seiner Entourage zum Besten gereicht, ist per se unlauter. Westerwelle wuchs mit drei Brüdern bei seinem alleinerziehenden Vater auf, mit Argumenten kommt man in einem solchen, wohl eher hormongesteuerten Umfeld nicht weit, mit Posing schon. Diese Mischung aus früher Prägung und bedingungsloser Selbstbezogenheit ist schon einzigartig in der deutschen Politikerklasse. Wir erwägen deshalb, Guido Westerwelle der UNESCO für die Ernennung zum Weltkulturerbe vorzuschlagen, und seine Wohngemeinschaft mit seinem Vater und den drei Brüdern nachträglich mit der Auszeichnung als Biosphärenreservat zu adeln. Ein Biosphärenreservat ist ein Schutzgebiet, das für die jeweilige Vegetationszone repräsentativ ist oder eine Besonderheit aufweist. So weit, so gut.

Fehler in Phase 3

Bisher konnte man Westerwelle mit viel Nachsicht noch Solipsismus unterstellen und seine Partei als Spaßpartei abtun, doch nun melden sich die Opfer. Seine Opfer sind seine Wähler, also jene die 2009 in einem religiösem Akt FDP gewählt haben. Um das zu verstehen muss man den französischen Philosophen und Sprachwissenschaftler Roland Barthes bemühen, dem zufolge ein religiöser Akt immer aus drei Phasen besteht: Erwartung, Suggestion, Initiation. FDP-Wähler kamen sich seit 1998 immer etwas unter den Rädern der großen Volksparteien vor, hatten also die Erwartung, mit einer FDP-Regierungsbeteiligung würde ihre sozioökonomische Nische wieder mehr den deutschen Alltag bestimmen. Fette Steuernachlässe, weniger Sozialstaat und mehr Jetset waren die suggestiven Versprechen der Partei vor der Wahl, die auf pseudolässigen, an Scientology-Versammlungen gemahnenden Parteitagen und Wahlkampfauftritten eingeübt wurden und so nach und nach ins Wählerhirn diffundierten. Vergessen hat der Häuptling W. allerdings die dritte Phase des religiösen Akts, die Initiation. Initiation erfordert die Nähe zum Angebeteten. Die wäre nach der Wahl angestanden und hätte in der Beteiligung der Wählerschaft an den Reisen als Außenminister bestehen können und natürlich in der Umsetzung der Versprechen. Hier bricht also die Gefolgschaft, große Wählergruppen erkannten plötzlich, dass sie nur Stimmvieh für W‘s Soloshow waren. Nun brennt die Hütte, die Umfragen sind mau, die FDP ist innerhalb eines halben Jahres von 14,6% auf gute 7% abgerutscht und der Außenminister ist verdammt unbeliebt. Die Opfer klagen und die FDP hadert mit sich selbst. Kritik kommt aus den eigenen Reihen. Westerwelle besucht zwar Opfer in Afrika, aber seine eigenen lässt er hängen. An wen also können sich diese, vom Lauf der Welt und ihrer FDP betrogenen Individuen, diese Wahl-Opfer, diese Unternehmer-Bürger noch wenden?

Doch Hilfe naht

Der Weisse Ring ist eine in mehreren Ländern Europas tätige Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Angehörigen. Er wurde 1976 in Deutschland von dem Fernsehjournalisten Eduard „Ganoven-Ede“ Zimmermann (Aktenzeichen XY) und dem Oberstaatsanwalt Hans Sachs gegründet. Wie es bei sehr vielen gemeinnützigen Vereinen der Fall ist, prägt die Geisteshaltung und das Weltbild der Gründer das ganze Unterfangen. So hat der Weisse Ring die bürgerlichen Wertvorstellungen  Zimmermanns übernommen, insbesondere dessen Vorstellungen von Recht und Ordnung, die er jahrzehntelang im Subtext seiner Einspielfilmchen in deutschsprachige Wohnzimmer getragen hat. Opfer waren bei ihm immer unbescholtene Bürger in Arbeit, mit geklärtem Ehestand und einer Wirtschaftswundermentalität, die das hart arbeitende Individuum mit Aufstieg, Wohlstand und sozialer Akzeptanz belohnt. Die Verbrecherseite war ähnlich idealisiert, wenn auch mit negativer Konnotation: Ede’s Täter waren immer dunkle Gestalten, mit verwahrlosten Familienhintergründen und, wenn möglich, mit südeuropäischen Charakterzügen. Diese simple Dichotomie führte vor allem beim jüngeren Publikum zu konträren Rezeptionsergebnissen: Die in den Einspielfilmchen gezeigten Täter wurden als Anti-Helden gefeiert und die Opfer als trockene Langweiler, ja als duckmäuserische Spießbürger wahrgenommen, die sich im nunmehr demokratischen, pluralistischen Alltag nicht zurecht finden und daher an überkommenen Wertvorstellungen festhalten. Ede’s Opfer lebten immer auf der Rückseite der Moderne. Der Weisse Ring kümmert sich um genau diese Klientel, Menschen die Opfer eines Verbrechens werden und sich dies nicht erklären können, da sie schon vor dem Schicksalsschlag Opfer ihrer Geisteshaltung waren. Daher ist diese Hilfsorganisation wie geschaffen für angefressene FDP-Wähler, die von einer heilen, steuerbefreiten Welt geträumt haben und nun, vollkommen traumatisiert, mit einer stagnierenden Regierung leben müssen, die eigentlich eine Nichtregierungsorganisation ist; Die nun mit einem Westerwelle vorlieb nehmen müssen der wirkt, als verschenke er und dabei nur nimmt. Der FDP-Chef hat im letzten halben Jahr mehr Lilien, Nelken und Chrysanthemen geschaffen als Gott. Wer jüngst gesehen hat, wie er in Pretoria eine Rede hielt, während in Deutschland seine Prognose-Werte einbrachen, muss uns beipflichten: Der 7%-Guido sieht jetzt aus wie ein Windspiel im Sakko.

Hansjörg Fröhlich

Hansjörg Fröhlich

18. Internationales Trickfilmfestival Stuttgart

28. März 2011

Vom 3. bis 8. Mai findet zum mittlerweile 18. Mal das Trickfilmfestival in Stuttgart statt. Neben dem Rückblick auf die wichtigsten und interessantesten Animationsfilme der letzten zehn Jahre, aktuellen Entwicklungen, Einblicken in die Arbeit renommierter Trickfilmer und Präsentationen von Hochschulprojekten, sollen vor allem die verschiedenen Wettbewerbe im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Für uns besonders interessant: die Trickparade 2011. Gemeinsam mit der Kulturgemeinschaft Stuttgart wurde dieser Wettbewerb ins Leben gerufen und fordert uns auf, unseren Lieblingsfilm der letzten Festivals zu wählen. Gar nicht so einfach, zwischen den 52 Filmausschnitten seinen Liebling zu wählen, sind doch einige dabei, die diesen Preis verdient hätten. Die vorgeschlagenen Filme präsentieren die unterschiedlichen Facetten des Animationsfilms: Von skurril bis amüsant, von herzerweichend bis provokant – manchmal sogar alles auf einmal. Sollte doch kein Film überzeugen, besteht die Möglichkeit einen Vorschlag einzureichen. Also: click – enjoy – vote!

Kathrin

Japan – How will we tell it to our children?

21. März 2011

Der japanische Medienkünstler Kazuhiko Hachiya findet eine verstörend kindgerechte Darstellung des Nuklearunfalls in Fukushima:

Hansjörg Fröhlich

Wenn es Libyen nicht gäbe, gäbe es keinen Krieg in Libyen!

21. März 2011

War der Krieg in Libyen seit Jahren geplant?

 

Killsoft siehts wie immer locker:

 

Diktator oder Dadaist? Kann man einen Mann töten der weiße Regenschirme besitzt?? Ist so einer verletzbar, ist der noch sterblich???

Fleischwolfff  lässt sich inspirieren…

…. und die Tiroler Blasmusik steht unbeirrt an der Seite des Bruders Abu Minyar Gaddafi

Hansjörg Fröhlich